In Gaza lernt Nesma wieder laufen und schöpft neue Zuversicht

Inklusion Rehabilitation
International

Nesma gehört zu den Tausenden Menschen in Gaza, die bei den Bombardierungen verletzt wurden. Nachdem sie ihr rechtes Bein verloren hatte, machte die junge Frau eine sehr schwere Zeit durch. Dank psychologischer Betreuung und Rehabilitation durch Handicap International fand sie langsam ihr Selbstvertrauen wieder und machte ihre ersten Schritte mit der Prothese. Heute ist sie im sechsten Monat schwanger und bereitet sich darauf vor, Mutter zu werden.

Nesma bei Rehabilitationsübungen im Zentrum von Handicap International

Nesma bei Rehabilitationsübungen im Zentrum von Handicap International | © HI

Ein Luftangriff stellte ihr Leben auf den Kopf

Nesma war aus ihrem Zuhause vertrieben worden und hatte mit ihrer Familie in Mawasi Al-Qarara im Süden des Gazastreifens Zuflucht gefunden. Am 16. August 2025 schlug ein Luftangriff direkt in einem Nachbarzelt ein. Ein Familienmitglied kam ums Leben, fünf weitere Personen wurden verletzt. Nesma erlitt eine schwere Verletzung am rechten Bein, sodass es unterhalb des Knies amputiert werden musste.

Das Erlebte setzte ihr stark zu. Sie zog sich zurück, wollte keinen Besuch empfangen und tat sich schwer damit, die Amputation anzunehmen. Neben der körperlichen Rehabilitation erhielt sie von Handicap International deshalb auch psychologische Unterstützung. Mit viel Geduld und einfühlsamer Begleitung konnte sie nach und nach über ihre Gefühle sprechen, ihre Ängste überwinden und wieder Kontakt zu ihren Angehörigen aufnehmen.

Wieder selbstständig werden und nach vorne blicken

Handicap International stellte ihr eine Prothese zur Verfügung und half ihr, den Umgang damit zu erlernen. Anfang Juli 2026 war ihr Stumpf bereit für die Prothesenversorgung. Nesma begann mit Gehübungen, und die Prothese wurde laufend angepasst, damit sie stabil sitzt und angenehm zu tragen ist. Anfang August machte sie ihre ersten Schritte.

«Die psychologische Betreuung hat mir geholfen, wieder durchzuatmen. Das Team ist mir zur Seite gestanden, bis ich mein Selbstvertrauen wiedergefunden hatte», erzählt sie.

Inzwischen ist Nesma im sechsten Monat schwanger und blickt gelassener in die Zukunft. Die Aussicht auf die Mutterschaft hatte ihr Sorgen bereitet: Würde sie ihr Kind trotz der Amputation austragen und sich um ihre Familie kümmern können?

«Diese Prothese hat meine Sicht auf alles verändert», sagt sie. «Zu wissen, dass ich auf eigenen Beinen stehen, mein Kind in den Armen halten und mich um meine Familie kümmern kann, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein, gibt mir unendlich viel Kraft. Sie hat mir mein Leben und meine Würde zurückgegeben.»

Nesmas Geschichte zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Betreuung ist, die psychische Gesundheit und körperliche Rehabilitation verbindet: Nur so können Verletzte ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen und wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken.

13 Oktober 2026

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