Covid-19: "Niemanden zurücklassen"

Gesundheit und Prävention Inklusion
Zentralafrikanische Republik

Die Zentralafrikanische Republik leidet unter einer schrecklichen humanitären Krise. Nun muss sie zusätzlich die Herausforderungen der Coronakrise bewältigen. Die Teams von Handicap International (HI) setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung und besonders Schutzbedürftige bei den Präventionsmassnahmen gegen die Epidemie nicht vergessen werden. 

Behandlung in Bambari, Zentralafrikanische Republik

© A. Surprenant/Collectif Item/HI

Die Kommunikation an die Schutzbedürftigsten anpassen

Perrine Benoist, Programmleiterin für HI in der Zentralafrikanischen Republik, erläutert die aktuelle Lage im Land:

„Es herrscht bereits eine sehr zugespitzte humanitäre Krise in der Zentralafrikanischen Republik. Das Land befindet sich seit sieben Jahren erneut im Bürgerkrieg. Deswegen ist bereits mehr als ein Viertel der Bevölkerung geflohen. Gegenwärtig ist der Osten des Landes am unruhigsten, dort sind verschiedene bewaffnete Gruppen zugange. Dies führt zu zahlreichen Vertreibungen, wodurch sich leider die Corona-Pandemie weiterverbreiten könnte. Aufgrund dieser schwierigen Situation leidet die Solidarität unter den Menschen und die schutzbedürftige Bevölkerung wird weiter geschwächt. Dies gilt für Geflüchtete, Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Menschen mit chronischen Leiden, isoliert Lebende, aber auch für arme Menschen, um die sich unsere Teams kümmern.“

Vor diesem Hintergrund klären unsere Teams die Bevölkerung auf, vermitteln wichtige Botschaften über die Risiken der Epidemie und engagieren sich vor Ort in den Gemeinden. So können sie wirksam das Bewusstsein der Schutzbedürftigsten stärken und sie auf das Coronavirus vorbereiten. Darüber hinaus begleiten unsere Teams die lokalen Behörden und Organisationen vor Ort, um ihre Kapazitäten bei der Überwachung und Vorbeugung von Infektionsfällen zu stärken.

Zugang zu humanitärer Hilfe gewährleisten 

Eine Studie, die HI in der Zentralafrikanischen Republik durchgeführt hat, zeigt, dass 43 % der Menschen mit Behinderung beim Zugang zu medizinischen und sozialen Leistungen sowie beim Zugang zu humanitärer Hilfe diskriminiert werden. Dieser Umstand kann fatale Folgen für Menschen mit Behinderung haben, denn in der Gesellschaft sind sie häufig stigmatisiert und erhalten keine Unterstützung. So finden sie keinen Zugang zu Informationen und zu Dienstleistungen.

„Während eines Konflikts oder bei massenhaften Fluchtbewegungen werden Menschen mit Behinderung oft aussen vor gelassen und bei den Bedarfsermittlungen und Planungen der Hilfsmassnahmen vergessen. Oft müssen sie grosse Entfernungen zurücklegen und leben in einem hindernisreichen Umfeld, in dem sie sich nur schwer bewegen und informieren können. Diese Umstände können sie daran hindern, Verteilungsstellen für Lebensmittel oder Hygienepakete zu erreichen", erklärt Perrine Benoist. 

Die Gefahr der Ausgrenzung betrifft auch andere Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, mittellose Geflüchtete, Menschen mit chronischen Krankheiten usw. HI achtet deshalb darauf, auf mehreren Ebenen zu handeln und auch andere Akteure zu sensibilisieren, damit die Schwächsten systematisch von allen Hilfsangeboten, darunter auch die Nothilfe, profitieren können.

Inklusive Botschaften und Taten, um niemanden zurückzulassen 

Unsere Aktivitäten zur Aufklärung über das Coronavirus und unsere Präventionsmassnahmen sind Teil der Strategie: „Niemanden zurücklassen“. All unsere Informationen sind an die jeweilige Bevölkerungsgruppe angepasst. Unsere Teams führen Hausbesuche durch, um die Menschen über Hygienemassnahmen und die geeigneten Verhaltensweisen aufzuklären. Darüber hinaus schulen sie Freiwillige in den Gemeinden, damit diese die Verhaltensregeln zur Eindämmung des Virus weitergeben und bewährte Massnahmen in ihren gesellschaftlichen Netzwerken verbreiten.
 

25 Mai 2020

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