Irak
Im Irak unterstützte Handicap International (HI) Gemeinden dabei, sich von den langjährigen Folgen des Konflikts zu erholen, insbesondere von der anhaltenden Gefahr durch explosive Kriegsreste. Die Programme von Handicap International im Irak wurden 2026 abgeschlossen.
Irak - Khazir Camp, in dem Handicap International Geflüchteten hilft. | © Camille Borie / Handicap International
Laufende Aktivitäten
Handicap International beendete 2026 die Aktivitäten im Irak nach mehr als 30 Jahren Präsenz im Land. Handicap International war massgeblich an der Räumung von Gebieten beteiligt, die mit explosiven Kriegsresten belastet waren. Dabei identifizierten die Teams gefährliche Bereiche und räumten Blindgänger. Gleichzeitig arbeitete Handicap International eng mit den Gemeinden zusammen, um durch Aufklärungs- und Sensibilisierungsmassnahmen Unfälle zu verhindern. Ein besonderer Fokus lag auf Schulen: Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal wurden gezielt geschult, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Kinder, die besonders gefährdet sind, besser zu schützen.
Darüber hinaus sorgte Handicap International dafür, dass Menschen, die durch explosive Kriegsreste verletzt wurden, Hilfe erhielten. Die Teams unterstützten Gesundheitseinrichtungen, indem sie deren Barrierefreiheit verbesserten, Rehabilitationsgeräte bereitstellten und das Gesundheitspersonal in den Bereichen Physiotherapie und Rehabilitation schulten.
Durch finanzielle Hilfeleistungen ermöglichte Handicap International besonders gefährdeten Menschen den Zugang zu medizinischer Versorgung. Auch arbeiteten die Teams mit lokalen Organisationen zusammen, um über verfügbare Hilfsangebote zu informieren und Betroffene an diese zu vermitteln.
Darüber hinaus stärkte Handicap International die lokalen Organisationen von Menschen mit Behinderungen. Durch Massnahmen der Interessenvertretung sowie die gezielte Förderung von Frauen mit Behinderungen trugen die Teams dazu bei, dass die Betroffenen ihre Rechte besser wahrnahmen und sich aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligen konnten.
- Anzahl der Mitarbeitenden von Handicap International: 15
- Anzahl der von Handicap International im Jahr 2025 unterstützten Begünstigten: 5.500 Menschen
- Start des Programms: 1991
Neuigkeiten aus den Projekten
Verheerende Kontamination im Irak – Explosive Kriegsreste verhindern den Wiederaufbau
Fünf Jahre nach dem Ende des Krieges im Irak sind die Gemeinschaften noch immer zerrissen und Gebäude, Strassen und Brücken zerstört. Unser heute veröffentlichter Bericht zeichnet ein drastisches Bild des täglichen Lebens der Iraker:innen, von denen einige zu grosse Angst haben, ihre Kinder zu Fuss zur Schule gehen zu lassen, oder gezwungen sind, in durch Sprengkörper kontaminierten Gebieten zu arbeiten.
10. Juli: Jahrestag des Kampfes um Mossul Westteil der Stadt weiterhin von explosiven Kriegsresten übersät
Zwei Jahre nach der Rückeroberung der Stadt Mossul am 10. Juli 2017 liegt der westliche Teil der Stadt weiterhin in Trümmern und ist mit tausenden von explosiven Kriegsresten verseucht. Noch immer harren etwa 500'000 Personen in Vertriebenencamps aus. Das Leben tausender Verletzter hängt davon ab, ob sie angemessen versorgt werden können.
Erster Jahrestag der Befreiung von Mossul: eine von Landminen und Bomben geplagte Stadt
1.500 Blindgänger im Krankenhaus Al-Shifa in Mossul entdeckt, eine von Landminen und Bomben geplagte Stadt. Acht Millionen Tonnen explosiver Kriegsreste [1] bedrohen auch ein Jahr nach der Befreiung die Stadt Mossul. Während Tausende von Verletzten versuchen, medizinische Versorgung zu bekommen und mehr als 300.000 [2] Binnenvertriebene in Flüchtlingslagern ausharren und auf ihre Rückkehr warten, gleicht die Stadt einer Zeitbombe.
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Hintergrund
Der Irak ist seit mehr als vier Jahrzehnten von Kriegen, Terroranschlägen und politischen Krisen geprägt. Die Zivilbevölkerung trägt dabei die Hauptlast der Gewalt.
Seit dem Machtantritt Saddam Husseins im Jahr 1979 wurde das Land von mehreren verheerenden Konflikten erschüttert, darunter der Iran-Irak-Krieg (1980–1988), der Golfkrieg 1991 und die von den USA geführte Invasion im Jahr 2003. Diese Konflikte gingen mit gewaltsamer Repression im Inland einher, insbesondere gegen die kurdische und schiitische Bevölkerung, sowie mit einem über zehn Jahre andauernden Handelsembargo.
Im April 2003 stürzte eine von den USA und dem Vereinigten Königreich angeführte Koalition das Regime von Saddam Hussein. Die folgenden Jahre waren von anhaltender Gewalt, politischer Instabilität und Terroranschlägen geprägt. Zwischen 2003 und 2012 waren schätzungsweise 250.000 Zivilist*innen von bewaffneter Gewalt betroffen. Mit dem Aufstieg der Terrororganisation „Islamischer Staat“ begann 2013 eine weitere Phase des Konflikts. Die Kämpfe zwischen irakischen und verbündeten Streitkräften sowie dem Islamischen Staat dauerten bis Dezember 2017 an und führten zu massiven Vertreibungen und grossflächiger Zerstörung.
Bis heute leidet der Irak unter den Folgen dieser Konflikte. Das Land zählt zu den weltweit am stärksten durch Landminen und explosive Kriegsreste belasteten Staaten. Mehr als 2.100 Quadratkilometer Land sind weiterhin kontaminiert. Dadurch ist die Zivilbevölkerung nach wie vor gefährdet, der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen und Infrastruktur ist eingeschränkt und viele vertriebene Familien können nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren.
