Jemen
Im Jemen hilft Handicap International (HI) Menschen, die von dem langanhaltenden Konflikt betroffen sind.
Bushra, 24 Jahre alt wurde bei einem Bombenangriff verletzt. HI kümmert sich um sie. | © HI
Laufende Aktivitäten
Handicap International setzt Massnahmen um, um die Folgen der Krise im ganzen Land zu lindern. Dabei konzentriert sich Handicap International auf besonders gefährdete Menschen – darunter Verletzte und Menschen mit Behinderungen – und leistet Nothilfe möglichst nah an den Frontlinien.
Handicap International arbeitet derzeit in Krankenhäusern und Rehabilitationszentren in den Provinzen Sanaa, Hajjah, Hodeidah, Aden, Lahj und Taiz. Dort erhalten Menschen, die durch den Konflikt verletzt wurden oder eine Behinderung davon getragen haben, physiotherapeutische und rehabilitative Unterstützung sowie psychosoziale Betreuung. Ausserdem stellt Handicap International Hilfsmittel wie Prothesen, Orthesen und andere unterstützende Geräte zur Verfügung. Gleichzeitig schult Handicap International Physiotherapeut*innen und weiteres medizinisches Fachpersonal in der Rehabilitation und der Behandlung von Kriegsverletzungen.
Darüber hinaus fördert Handicap International die Ausbildung von Fachkräften im Bereich Rehabilitation und unterstützt den Bachelorstudiengang für Prothetik und Orthetik am National College for Health Sciences in Sanaa sowie den Bachelorstudiengang Physiotherapie an der Universität Hodeidah. Gemeinsam mit dem Amin Nashir Institute in Aden arbeitet Handicap International ausserdem daran, den Lehrplan für die Physiotherapie-Ausbildung zu verbessern.
Handicap International ist im Bereich der Minenräumung tätig. Dazu gehören Aufklärungsarbeit über die Gefahren durch Blindgänger, nichttechnische Begutachtungen, die Beseitigung einzelner Blindgänger und Opferhilfe.
Zudem hilft Handicap International Menschen mit Behinderungen dabei, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dazu gehören Schulungen zu sozialen und beruflichen Kompetenzen, Berufsausbildungen, Praktika bei lokalen Unternehmen sowie finanzielle Hilfeleistungen für den Aufbau kleiner Unternehmen.
Handicap International bietet auch Unterstützung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie Hilfe für Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt an. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die Angebote auch für Menschen mit Behinderungen gut zugänglich sind.
Ausserdem arbeitet Handicap International mit anderen Hilfsorganisationen im Jemen zusammen, um besonders gefährdete Menschen besser zu erreichen. Hierzu zählen Menschen mit Behinderungen, isoliert lebende Menschen, Frauen, ältere Menschen und Kinder. So trägt Handicap International dazu bei, dass ihre Bedürfnisse in der humanitären Hilfe berücksichtigt werden und niemand ausgeschlossen wird.
- Anzahl der Mitarbeitenden von Handicap International: 62
- Anzahl der von Handicap International im Jahr 2025 unterstützten Begünstigten: 702.351 Menschen
- Wiederaufnahme des Programms im Jahr: 2014
Einsatzbebreiche
Neuigkeiten aus den Projekten
«Ich sage meinen Freunden, sie sollen sich vor Minen in Acht nehmen»
Zaid ist beim Spielen mit seinen Freund:innen auf einen Sprengkörper getreten – wahrscheinlich eine Mine. Er erlitt eine so schwere Beinverletzung, dass das Bein amputiert werden musste. Handicap International hilft ihm, wieder gehen zu lernen.
Leben für Menschen mit Behinderung im Jemen katastrophal
Im Jemen ist das Leben für Menschen mit Behinderung besonders prekär und gefährlich. Viele leben in ständiger Angst, verletzt zu werden, da sie nicht in der Lage sind, vor Explosionen oder bewaffneten Zusammenstössen zu fliehen. Ausserdem werden sie oftmals ausgegrenzt, nicht ausreichend versorgt und haben kaum Zugang zu Hilfsmassnahmen.
Handicap International als Zeugin: Wie 7 Jahre Krieg im Jemen das Land verwüstet haben
Am 26. März 2022 jährt sich der Beginn des Konflikts im Jemen, einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt, zum siebten Mal. Dieser Konflikt ist ein erschreckendes Beispiel für die langfristigen humanitären Folgen des Einsatzes von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten.
Sie mit
Hintergrund
Seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 ist der Jemen von politischer Instabilität und wirtschaftlichen Problemen geprägt. Die Proteste des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 verschärften die Lage. 2014 übernahmen die Huthi-Rebellen die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa, woraufhin ein Bürgerkrieg mit verschiedenen politischen und bewaffneten Gruppen ausbrach.
Im März 2015 griff eine Koalition arabischer Staaten militärisch zugunsten der international anerkannten Regierung ein. Dadurch weitete sich der Konflikt weiter aus. Obwohl die Kämpfe in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, ist der Konflikt bis heute nicht gelöst. Der Jemen gehört weiterhin zu den Ländern mit den grössten humanitären Krisen weltweit.
Der jahrelange Krieg hat grosse Teile der Infrastruktur und der Wirtschaft zerstört. Minen, Blindgänger und andere explosive Kriegsreste stellen noch immer eine grosse Gefahr für die Bevölkerung dar.
Millionen Menschen kämpfen täglich ums Überleben. Viele haben keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung oder anderen lebenswichtigen Dienstleistungen. Vertreibung, wirtschaftlicher Niedergang und die Folgen des Klimawandels verschärfen die Not zusätzlich. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und andere besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.
Im Jahr 2026 sind mehr als 22 Millionen Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfe und Schutz angewiesen. Dazu gehören rund 5,2 Millionen Binnenvertriebene, 329.000 Migrat*innen sowie 63.000 Geflüchtete und Asylsuchende.
