Naturkatastrophen und Klimawandel: globale Bedrohungen und inklusive Nothilfe

Extreme Wetterereignisse nehmen weltweit zu und treffen immer mehr Menschen mit voller Wucht. Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, verheerende Stürme und Waldbrände sind für Millionen von Familien bittere Realität. Allein im Jahr 2025 verursachten Naturkatastrophen weltweit Schäden in Höhe von rund 224 Milliarden US-Dollar. Der Klimawandel verstärkt diese Bedrohung zusätzlich. Handicap International engagiert sich weltweit für eine inklusive Nothilfe, die niemanden ausschliesst – auch und besonders nicht Menschen mit Behinderungen und andere schutzbedürftige Gruppen. 

Taifun Kalmaegi auf den Philippinen im November 2025

Taifun Kalmaegi auf den Philippinen im November 2025 | © HI

Was sind Naturkatastrophen und wie entstehen sie? 

Als Naturkatastrophe werden Veränderungen der Erdoberfläche oder der Atmosphäre bezeichnet, die auf natürliche Weise entstanden sind und schwere Schäden für Menschen, ihre Lebensweise und ihre Lebensräume verursachen.  

Ein spektakuläres Naturereignis wie ein Gletscherabbruch genügt also nicht, um als Naturkatastrophe zu gelten. Erst wenn Gemeinschaften überfordert sind, ihre Lebensgrundlage zerstört wird und sie Hilfe von aussen benötigen, spricht man von einer Naturkatastrophe.  

Die Ursachen sind vielfältig: 

  • Tektonische Ursachen: Erdbeben und Tsunamis entstehen durch Bewegungen der Erdplatten. Sie können innerhalb von Minuten ganze Regionen verwüsten. 

  • Klimatische Ursachen: Stürme, Überschwemmungen und Dürren werden durch atmosphärische Prozesse ausgelöst. Durch den Klimawandel nehmen Intensität und Häufigkeit solcher Ereignisse spürbar zu. 

  • Exogene Ursachen: Erdrutsche und Murgänge entstehen oft als Folge von Starkregen oder Erdbeben und bedrohen zahlreiche Regionen weltweit. 

Der menschengemachte Klimawandel spielt eine immer grössere Rolle: Er verstärkt Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hitzewellen und verheerende Hurrikane. Dadurch nimmt die Anzahl der Katastrophen und deren Auswirkungen weltweit zu. 

Nicht nur weit weg: Naturgefahren vor der eigenen Haustür 

Naturkatastrophen mögen uns weit entfernt erscheinen, doch auch die Schweiz und ihre Nachbarländer Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich sind betroffen. Bergstürze, Murgänge, Lawinen und Hochwasser – und selten auch Erdbeben – gehören zur Geschichte unserer Region. Sie richten regelmässig grosse Schäden an und bedrohen Menschenleben. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) dokumentiert diese Ereignisse in der Schweiz und macht deutlich: Katastrophenvorsorge ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – sowohl lokal als auch global. 

Die verheerendsten Ereignisse in Zahlen 

Zwar sind Überschwemmungen die häufigste Art von Naturkatastrophen, doch extreme Stürme und Erdbeben fordern meist die meisten Todesopfer. Zwischen 1995 und 2015 starben weltweit rund 600’000 Menschen durch wetterbedingte Katastrophen. Für viele Überlebende bedeutet die Katastrophe erst den Anfang des Leidens. Oft folgen daraufhin vernichtete Existenzen, zerstörte Ernten, Hunger und Armut. 

Die bisher tödlichsten Naturkatastrophen des 21. Jahrhunderts: 

Ereignis 

Ort 

Jahr 

Todesopfer 

Tsunami im Indischen Ozean 

Asien 

2004 

226’408 

Erdbeben 

Haiti 

2010 

222’570 

Zyklon Nargis 

Myanmar 

2008 

138’366 

Erdbeben 

Sichuan, China 

2008 

87’476 

 

Im Dezember 2004 forderte ein Tsunami im Indischen Ozean mehr als 226’000 Todesopfer. Dieses Megabeben und die daraus resultierenden Flutwellen haben im 21. Jahrhundert bisher die meisten Menschenleben gefordert. Betroffen waren die Länder Thailand, Sri Lanka, Indonesien, Indien, Bangladesch, Myanmar, die Malediven und Malaysia.  

Seither gab es zwei weitere Naturkatastrophen mit jeweils über 100’000 Todesopfern: ein verheerendes Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 und den Zyklon Nargis in Myanmar im Jahr 2008. Das Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan und den angrenzenden Gebieten im Jahr 2008 forderte rund 87’000 Todesopfer. 

Diese Ereignisse verdeutlichen, welche Schäden und welches menschliche Leid solche Naturkatastrophen anrichten können. 

Die vergessenen Opfer extremer Naturereignisse 

Katastrophen treffen nicht alle Menschen gleichermassen. Zwar sind von der Zunahme extremer Wetterereignisse alle Bevölkerungsgruppen betroffen, doch sind die Risiken des Klimawandels für Menschen mit Behinderungen und andere schutzbedürftige Gruppen weitaus grösser. Sie erfahren in Katastrophensituationen oft doppelte Diskriminierung und sterben bei Naturkatastrophen doppelt so häufig wie der Rest der Bevölkerung. Studien zeigen weitere erschreckende Zahlen: 

  • Weltweit sind nur 20 Prozent der Menschen mit Behinderungen imstande, im Notfall problemlos zu fliehen. 

  • 71 Prozent haben keinen persönlichen Notfallplan. 

  • 75 Prozent fühlen sich nach einer Katastrophe von der humanitären Hilfe schlichtweg ausgeschlossen. 

Diese Personengruppen werden in Katastrophenplänen systematisch vergessen, obwohl sie am dringendsten auf Unterstützung angewiesen wären. Armut und fehlende Infrastruktur verschärfen die Situation in vielen Regionen zusätzlich. 

Inklusive Katastrophenvorsorge rettet Leben 

Rund 55 Prozent der humanitären Krisen sind vorhersehbar. Das eröffnet die Möglichkeit, rechtzeitig zu handeln und Menschenleben zu retten. Dabei sind zwei Ansätze zu unterscheiden: 

Die Katastrophenvorsorge (Disaster Risk Reduction, DRR) ist ein langfristiger, systematischer Ansatz: Durch Risikoanalysen, Katastrophenvorbeugung und -minderung sowie Vorbereitung auf den Katastrophenfall werden Schwachstellen reduziert und Lebensgrundlagen geschützt, bevor ein Notfall überhaupt eintritt. Dazu gehören auch barrierefreie Frühwarnsysteme und zugängliches Kartenmaterial. Denn wer im Ernstfall keine Warnung erhält oder auf keiner Karte verzeichnet ist, ist unsichtbar für die Hilfe. 

Die vorausschauende humanitäre Hilfe (Anticipatory Action) greift kurzfristiger: Sie setzt ein, wenn eine Katastrophe bereits konkret absehbar ist, etwa wenn ein Zyklon auf ein bestimmtes Gebiet zusteuert. Ziel ist es, in diesem engen Zeitfenster gezielt zu handeln, bevor die Katastrophe eintrifft, um das Ausmass des Schadens zu begrenzen. 

Zwei konkrete Beispiele aus der Praxis zeigen, dass inklusive, vorausschauende Hilfe Leben rettet: Anfang 2026 warnte Handicap International die Menschen in Madagaskar frühzeitig vor den verheerenden Zyklonen Fytia und Gezani. Besonders gefährdete Personen und Familien wurden rechtzeitig evakuiert und in Sicherheit gebracht. Ähnliches gilt auf den Philippinen, die regelmässig von Taifunen heimgesucht werden: Dort bereitet Handicap International Menschen mit Behinderungen auf die Risiken von Klimakatastrophen vor, damit sie sich im Ernstfall schützen und für ihre Sicherheit sorgen können. 

Handicap International leistet inklusive Nothilfe 

In zahlreichen Einsatzländern weltweit hilft Handicap International Menschen, die von Katastrophen betroffen sind. Die Organisation verfügt über die nötigen Mittel, um spätestens 72 Stunden nach Eintreten einer grösseren Krise intervenieren zu können. Während des Nothilfeeinsatzes stellt Handicap International sicher, dass die humanitäre Nothilfe alle Betroffenen erreicht. Zu den Tätigkeitsbereichen der Organisation gehören: 

  • Verwaltung und Verteilung von humanitären Hilfsgütern  

  • Aufbau von temporären Unterkünften 

  • Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen  

  • Hilfe und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und besonderen Schutzbedürfnissen 

  • Rehabilitation, Prothesen und psychosoziale Unterstützung  

  • Kapazitätsaufbau vor Ort 

Die rasche Verteilung von humanitären Hilfsgütern ist von entscheidender Bedeutung: Lebensmittel, Hygienekits und Mobilitätshilfen müssen so schnell wie möglich bei den Betroffenen eintreffen. Temporäre Notunterkünfte werden gezielt so barrierefrei gestaltet, dass sie für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich sind. 

Neben der unmittelbaren Nothilfe kümmert sich Handicap International auch um die mittel- und langfristige Rehabilitation: Physiotherapie, orthopädische Versorgung und psychosoziale Unterstützung helfen verletzten und traumatisierten Menschen und Familien, nach einer Katastrophe wieder Fuss zu fassen. 

Damit inklusive Nothilfe nicht nur im Einzelfall funktioniert, setzt Handicap International auf einen beratenden Ansatz und Kapazitätsaufbau (Capacity Building) vor Ort: Die Organisation schult lokale Behörden und andere Hilfsorganisationen, damit Inklusion fest in nationalen Notfallplänen verankert wird und weit über den einzelnen Einsatz hinaus wirkt. 

Gemeinsam mehr erreichen 

Katastrophen lassen sich oft nicht verhindern, aber ihre verheerenden Folgen können durch inklusive Katastrophenvorsorge und humanitäre Hilfe drastisch reduziert werden.  

Handicap International engagiert sich deshalb nicht nur vor Ort, sondern auch auf politischer Ebene. So fordert die Organisation an Klimakonferenzen wie der COP und mittels Petitionen an die Schweizer Regierung eine bessere Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in globale Klimastrategien und die humanitäre Hilfe. 

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass niemand von der Hilfe ausgeschlossen wird. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende, lancieren Sie eine eigene Spendenaktion oder wirken Sie mit einem Legat oder einer Erbschaft über Ihr Leben hinaus. Jede Unterstützung zählt – spenden Sie jetzt! 


Häufig gestellte Fragen 

Welche vier Arten von Naturkatastrophen gibt es? 

Naturkatastrophen lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen: 

  • geophysikalische Katastrophen: Ereignisse, die mit dem Erdkern und den tektonischen Bewegungen zusammenhängen (z. B. Erdbeben und Vulkanausbruch); 

  • hydrometeorologische Katastrophen: Ereignisse, die durch Wetter- und Wasserphänomene ausgelöst werden (z. B. Überschwemmung, Sturm und Dürre); 

  • klimatologische Ereignisse: Ereignisse, die auf längerfristige klimatische Veränderungen zurückzuführen sind (z. B. Waldbrand und Hitzewelle); 

  • biologische Katastrophen: Ereignisse, die durch die Ausbreitung von Krankheiten, Schädlingen oder Plagen entstehen. 

Wie entstehen Naturkatastrophen? 

Naturkatastrophen entstehen durch natürliche Faktoren, zu denen beispielsweise tektonische Bewegungen, atmosphärische Prozesse oder Starkniederschläge zählen. Menschliche Einflüsse, wie der Klimawandel und die Zerstörung der Natur, erhöhen jedoch weltweit die Häufigkeit und Intensität solcher Extremereignisse und verschärfen ihre Auswirkungen. Nicht jedes Naturereignis führt dabei automatisch zur Katastrophe. Ob ein Ereignis katastrophale Ausmasse annimmt, hängt von seiner Schwere, dem betroffenen Gebiet sowie der Vorbereitung von Bevölkerung und Infrastruktur ab. Zur Katastrophe wird es erst dann, wenn die Kapazitäten einer Gesellschaft überstiegen werden. 

Warum sind Menschen mit Behinderungen bei Naturkatastrophen besonders gefährdet? 

Menschen mit Behinderungen sind bei Katastrophen aus mehreren Gründen besonders gefährdet: Evakuierungspläne, Frühwarnsysteme und Notunterkünfte sind oft nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. Auch wenn eine Evakuierung gelingt, sind Menschen mit Behinderungen in Notunterkünften oder bei Zwangsvertreibungen stärker von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch bedroht. 75 Prozent der Menschen mit Behinderungen fühlen sich sogar gänzlich von humanitärer Hilfe ausgeschlossen. Menschen mit Behinderungen sind zudem häufig wirtschaftlich schwächer gestellt. Das erschwert es ihnen, ihre Lebensgrundlagen zu schützen oder sich von Katastrophenschäden zu erholen. Kurz gesagt: Wer bereits vor einer Katastrophe benachteiligt war, steht im Nachhinein vor noch höheren Hürden.

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