Entminung im Norden Libanons

Minen und andere Waffen
Libanon

Seit 2011 entmint Handicap International Gebiete im Norden Libanons, deren Verseuchung noch aus Zeiten des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 stammt. Die Bevölkerung soll nun endlich von der lauernden Gefahr befreit werden. Zwischen 2017 und 2018 haben die Minenräumteams 4'500 explosive Überreste zerstört. Insgesamt konnten schon 700'000 Quadratmeter Fläche entmint werden, das entspricht etwa 100 Fussballfeldern.

Das Minenräumteam im Norden des Libanons

Das Minenräumteam im Norden des Libanons | ©Oriane van den Broeck / HI

Die vier Minenräumteams von HI arbeiten daran, die Flächen im Distrikt Bcharré zu entminen, die seit den 1980er Jahren mit Antipersonenminen verseucht sind. Diese verminten Gebiete befinden sich gleich neben den Dörfern. So haben die Einwohner schon viele Unfälle miterlebt, vor allem in den 90er Jahren unmittelbar nach dem Bürgerkrieg. Seither wurden sie von HI über die Gefahren von explosiven Kriegsresten aufgeklärt und die verminten Flächen wurden beschildert.

Räumliche Flexibilität

Die Minenräumteams passen ihre Räumungsgebiete jeweils an die Jahreszeit an. Im Sommer sind sie in den höheren Lagen im Einsatz. Wenn es im Winter anfängt zu schneien, arbeiten sie in den tiefergelegenen Gegenden weiter. Manchmal ist der Zugang zu den verminten Flächen sehr schwierig und sie müssen sich mithilfe von Sandsäcken eine improvisierte Leiter bauen. Sie können auch nicht ununterbrochen im Einsatz sein: Wenn es zum Beispiel unaufhörlich regnet, werden die Arbeiten zu gefährlich. In Bcharré sind die Landminen alt und unter der dichten Vegetation begraben. Um sie zu finden, verwenden die Teams Metalldetektoren. Wenn ein Sprengkörper gefunden wird, lässt man ihn, wo er ist: Der Teamleiter nimmt die Sprengung direkt vor Ort vor. Einige Minen sind aus Kunststoff und werden von den Metalldetektoren nicht aufgespürt. Die Räumungsteams müssen daher grosse Teile des Bodens umgraben, um sie zu finden und die Gefahr zu beseitigen.

Rückgabe der Flächen an die Bevölkerung

Die Teams von HI halten ständigen Kontakt mit den Dörfern, die in der Nähe der aktuell bearbeiteten Minenfelder liegen. Es ist sehr wichtig, die Einwohner immer über den Fortschritt der Massnahmen auf dem Laufenden zu halten, insbesondere die Eigentümer der geräumten Flächen. Darüber hinaus werden auch die Hirten informiert, welche die Flächen nutzen – denn sie sind besonders von Unfällen betroffen. Nach dem Bürgerkrieg mussten viele Dorfbewohner ihr verseuchtes Land verkaufen und ihre Region verlassen. Seit Beginn der Entminungsarbeiten haben schon 30'000 Einwohner ihr Land zurückbekommen – frei von explosiven Kriegsresten. Bis heute haben 76 Prozent der Besitzer ihre Häuser wiederaufgebaut oder ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten wiederaufgenommen, beispielsweise den Anbau von Oliven, Birnen und Trauben.

 

4 Juni 2019

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