Landminen Monitor 2019. Alarmierender Rückschritt: Das vierte Jahr in Folge besonders hohe Opferzahlen

Minen und andere Waffen
International

Der am 21. November veröffentlichte Landminen Monitor 2019 berichtet das vierte Jahr in Folge über aussergewöhnlich hohe Unfallzahlen mit Landminen, insbesondere durch explosive Überreste und improvisierte Minen. Der aktuelle Monitor verzeichnet für das Jahr 2018 6.897 Opfer gegen 3.998 in 2014. Auffällig ist insbesondere, dass 3.789 Menschen durch improvisierte Minen getötet oder verletzt wurden – dies ist die höchste jemals vom Monitor registrierte Zahl. 

Entminung in Kolumbien

Entminung in Kolumbien | © Nadège Mazars / HI

Vom 25. bis 29. November treffen sich hierzu die Vertragsstaaten zur Landminenkonferenz in Oslo, Norwegen. Handicap International (HI) fordert die Staaten auf, das humanitäre Völkerrecht durchzusetzen und Druck auf die Kriegsparteien auszuüben, damit sie den Einsatz dieser menschenverachtenden Waffen beenden.

Die Anzahl der Opfer hat sich seit 2014 verdoppelt

Der Bericht des Landminen Monitors 2019 zeigt, dass die Zahl der neuen Opfer von fabrikgefertigten oder selbstgebauten Antipersonenminen und explosiven Kriegsresten im vierten Jahr in Folge hoch bleibt (6.897 im Jahr 2018, 7.253 im Jahr 2017, 9.439 im Jahr 2016 und 6.971 im Jahr 2015). Die Anzahl der Opfer hat sich zwischen 2014 und 2018 nahezu verdoppelt (6.897 neue Opfer im Jahr 2018 gegenüber 3.998 im Jahr 2014). Die meisten Menschen, die durch Antipersonenminen getötet oder verletzt werden, stammen aus der Zivilbevölkerung: 71 Prozent der Opfer 2018 waren Zivilisten, davon 54 Prozent Kinder. Zahlreiche Opfer wurden nicht erfasst, da es in einigen Gegenden Schwierigkeiten gab, die Daten zu ermitteln.

Im Jahr 2018 wurden die meisten neuen Opfer von (fabrikgefertigten oder selbstgebauten) Antipersonenminen und explosiven Kriegsresten in folgenden Ländern registriert: Afghanistan (2.234), Myanmar (430), Syrien (1.465), Ukraine (325) und Jemen (596). Weltweit wurden in 50 Staaten und Gebieten Minenopfer registriert. Der Landminen Monitor bestätigte den erneuten Einsatz von Antipersonenminen durch Regierungskräfte in Myanmar zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019. Auch nichtstaatliche Gruppen setzten in mindestens sechs Ländern Antipersonenminen, einschliesslich selbstgebauter Minen, ein: in Afghanistan, Indien, Myanmar, Nigeria, Pakistan und im Jemen.

„Der Ottawa-Vertrag ist vor 20 Jahren in Kraft getreten und hat dazu geführt, dass der Einsatz von Landminen und die Anzahl der Opfer stark zurückgegangen sind. Aber in den letzten Jahren erleben wir einen alarmierenden Anstieg bei der Verwendung von Minen, was zu einer nicht hinnehmbaren Opferzahl geführt hat. Unsere Arbeit gegen Landminen ist noch nicht beendet. Wir müssen die Anwendung des Ottawa-Vertrags verteidigen, uns für die Unterstützung der Opfer einsetzen und uns angesichts improvisierter Landminen neuen Herausforderungen stellen. Wir brauchen noch immer die Unterstützung der Bürger, um Landminen vollständig von der Erde zu verbannen“

erklärt Anne Hery, Direktorin Advocacy bei HI.

Improvisierte Minen: Neue Herausforderung für die Minenräumung

In diesem Jahr verzeichnete der Landminen Monitor auch die höchste Anzahl von Opfern selbstgebauter Minen seit der Veröffentlichung seines ersten Jahresberichts im Jahr 2000: 3.789 Menschen wurden 2018 durch solche Minen getötet oder verletzt. Das entspricht 54 Prozent der vom Monitor insgesamt erfassten neuen Opfer (6.897). Im Jahr 2018 wurden in 18 Staaten Opfer aus selbstgebauten Minen gezählt, hauptsächlich in Afghanistan (1.586) und Syrien (1.076).

Obwohl sie hauptsächlich von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen eingesetzt werden, fallen improvisierte Antipersonenminen in den Geltungsbereich des Ottawa-Vertrags mit seinen Verboten und Stigmatisierungen unterschiedslos wirkender Waffen. Ein Dialog mit einigen nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, der sie überzeugen soll, auf solche Waffen zu verzichten, kann ebenso möglich sein wie ihr Beitritt zum Vertrag. Die Minenräumung ist eine Verpflichtung aus dem Ottawa-Vertrag und bietet die Chance, bewaffneten Gruppen den Zugang zu Waffen und Munition zu versperren, da sie viele improvisierte Minen aus entsorgten Sprengstoffen oder Überresten herstellen.

Da die Zahl der Opfer in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat, fordert HI die Staaten auf, ihre Anstrengungen zu verstärken, um den Opfern jetzt und in Zukunft Hilfe zu leisten. HI ruft die Staaten zudem auf, Programme zur Aufklärung über Minengefahren, zur Minenräumung und zur Unterstützung der Opfer zu fördern. Diese sind für die betroffenen Länder und Gebiete absolut notwendig.

 

Pressemitteilung als PDF lesen.


Der Ottawa-Vertrag verbietet den Erwerb, die Herstellung, die Lagerung und den Einsatz von Antipersonenminen. Der Vertrag wurde am 3. Dezember 1997 zur Unterzeichnung freigegeben. Er ist am 1. März 1999 in Kraft getreten. Insgesamt 163 Staaten haben ihn bis heute unterzeichnet, davon haben 162 Staaten ratifiziert.

Der Bericht des Landminen Monitors 2019 erfasst die Wirkung des Ottawa-Vertrags im Jahr 2018, der den Einsatz, die Herstellung, den Handel und die Lagerung von Antipersonenminen verbietet. Die Erhebungen erstrecken sich zum Teil bis November 2019, soweit Daten verfügbar waren.

20 November 2019

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