Venezuela: Nothilfe nach verheerendem Erdbeben
Zwei schwere Erdbeben haben Teile Venezuelas erschüttert. Erste Schätzungen gehen von hunderten Toten, tausenden Verletzten und zehntausenden Vermissten aus. Inmitten dieser Tragödie bereiten die Teams von Handicap International (HI) ihren Einsatz vor – besonders für diejenigen, die jetzt am dringendsten Hilfe brauchen: Menschen mit Behinderungen und Schwerverletzte.
Passanten vor einem Gebäude, das infolge eines Erdbebens am 25. Juni 2026 in Caracas eingestürzt ist. Zwei starke Erdbeben haben zahlreiche Tote und Verletzte gefordert, erklärte die Interimspräsidentin des Landes am 25. Juni, nachdem diese heftigen Erschütterungen den Einsturz ganzer Gebäude verursacht und die Menschen in Panik in die Flucht getrieben hatten. | © Manaure QUINTERO / AFP
29.06.26
Die Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 trafen mit voller Wucht zu – innerhalb von nur einer Minute, gefolgt von über dreissig Nachbeben. Das zweite war das stärkste seit über einem Jahrhundert. Selbst in der Hauptstadt Caracas, 300 Kilometer vom Epizentrum entfernt, stürzten Gebäude ein, Strassen versanken im Chaos. Die Bilder zeigen eine Stadt im Ausnahmezustand: Menschen suchen verzweifelt nach Angehörigen unter den Trümmern, während Rettungskräfte gegen die Zeit kämpfen.
Die Folgen sind verheerend: Erste Schätzungen gehen von mindestens 235 Toten und über 4300 Verletzten aus. Diese Zahlen werden voraussichtlich steigen, während Rettungskräfte in den verwüsteten Gebieten – insbesondere im Bundesstaat La Guaira und im Grossraum Caracas – eintreffen. Über 56'000 Menschen gelten als vermisst.
Adreina Jota vom HI-Notfallteam:
„Der Mangel an Hilfsgütern und die fehlenden Mittel, um auf die Katastrophe zu reagieren, haben verheerende Folgen. Das medizinische Personal arbeitet mit blossen Händen und ohne ausreichende Ausrüstung. Da die Betäubungsmittel aufgebraucht sind, müssen sogar Amputationen ohne Narkose durchgeführt werden.“
Auch die materiellen Schäden sind enorm. Mehr als hundert Gebäude sind eingestürzt, und wichtige Infrastruktur wie der internationale Flughafen von Caracas wurden schwer beschädigt. Während viele Menschen noch nach ihren Angehörigen unter den Trümmern suchen, hat die Interims-Präsidentin Delcy Rodríguez den Notstand ausgerufen.
HI im Einsatz: Hilfe für die Schwächsten
In solchen Momenten sind es oft die Schwächsten, die am meisten leiden: Menschen mit Behinderungen, Kinder, ältere Menschen. Sie haben kaum eine Chance, sich durch die Trümmer zu kämpfen, sichere Unterkünfte zu finden oder an Wasser und Nahrung zu kommen. Handicap International (HI) ist seit Jahren in Venezuela aktiv und handelt jetzt.
Unsere Teams konzentrieren sich auf:
- Dringende Rehabilitation für Schwerverletzte – um Amputationen, Brüche und schwere Verletzungen zu behandeln und langfristige Behinderungen zu verhindern.
- Psychologische Unterstützung, um den Überlebenden zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten.
- Verteilung von lebensnotwendigen Gütern wie Decken, Seife, Hygieneartikeln für Familien, die alles verloren haben.
- Die Erdbeben treffen ein Land, das bereits seit Jahren unter einer tiefen humanitären, politischen und wirtschaftlichen Krise leidet. Fast 8 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – waren schon vor der Katastrophe auf Hilfe angewiesen. Jetzt, wo Strassen blockiert, Krankenhäuser überlastet und die Wasserversorgung zusammengebrochen ist, wird jede Unterstützung zur Überlebensfrage.
Update 10.07.26: Unverzichtbare Rehabilitationsdienste
Mehr als 16'000 verletzte Menschen – das ist die schwere Bilanz der beiden Erdbeben, die Venezuela am 24. Juni erschütterten. Viele von ihnen benötigen dringend physische und funktionelle Rehabilitationsmassnahmen. Denn nach schweren Verletzungen ist eine frühzeitige Rehabilitation entscheidend, um die Genesung zu fördern und langfristige Behinderungen zu verhindern.
Um die Betroffenen zu unterstützen, wurden die Notfall-Rehabilitationsteams von Handicap International (HI) in die Notunterkünfte in La Guaira entsandt, in denen mehrere Tausend Menschen untergebracht sind, die von den Erdbeben betroffen sind. Nach einer ersten Bedarfsanalyse leisten die HI-Fachkräfte rasche Hilfe mit einer individuellen und bedarfsgerechten Betreuung.
„Unsere Teams betreuen Menschen, die in diesem provisorischen Lager sowie in den umliegenden Gemeinden Rehabilitationsmassnahmen benötigen. Dabei legen wir besonderen Wert auf die Einbeziehung von Personen, die bei humanitären Einsätzen häufig übersehen werden, insbesondere Menschen mit Behinderungen. Viele hatten im Chaos nach der Katastrophe ihre Gehstöcke, Krücken oder Rollstühle verloren. Deshalb stellen wir ihnen geeignete Hilfsmittel und Mobilitätshilfen zur Verfügung, damit sie ihre Selbstständigkeit und Beweglichkeit wiedererlangen können“, erklärt Yohanna Talloli, Spezialistin für inklusive humanitäre Hilfe bei HI.
Darüber hinaus hat HI begonnen, Psychologinnen und Psychologen einzusetzen, um den Betroffenen psychosoziale Unterstützung sowie Betreuung im Bereich der psychischen Gesundheit anzubieten. Ausserdem verteilen die Teams Hygiene-Kits, die an die Bedürfnisse der Menschen in den provisorischen Notunterkünften angepasst sind.
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Nadia Ben Said
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