Kenia

In Kenia eröffnet Handicap International jungen Menschen mit Behinderungen in fünf Regionen neue Chancen und verbessert den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderungen in Flüchtlingslagern.

Kinder im Flüchtlingslager Dagahaley, HI Kenia

Kinder im Flüchtlingslager Dagahaley, HI Kenia | © B. Blondel / HI

Laufende Aktivitäten

Die Teams von Handicap International (HI) setzen sich im Flüchtlingslager Kakuma dafür ein, dass geflüchtete und staatenlose Menschen besser in die Gesellschaft einbezogen und geschützt werden und aktiv am Gemeinschaftsleben teilhaben können. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen sowie weiteren besonders schutzbedürftigen Personen. Die Teams verbessern den Zugang zu inklusiven Angeboten, darunter Rehabilitation sowie psychosoziale und psychologische Unterstützung. Gleichzeitig setzt sich Handicap International dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen in der lokalen Verwaltung und bei humanitären Hilfsmassnahmen stärker berücksichtigt und einbezogen werden. Handicap International fördert Massnahmen, die sicherstellen, dass sowohl Geflüchtete als auch die aufnehmenden Gemeinden von besser zugänglichen und stärker aufeinander abgestimmten Hilfsangeboten profitieren.

Darüber hinaus setzt sich Handicap International für eine inklusive Bildung im Flüchtlingslager Kakuma ein. Dafür werden Lehrkräfte dabei unterstützt, ihren Unterricht so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gleichberechtigt lernen können. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fliessen in die Überarbeitung der nationalen Bildungsrichtlinien für Lernende mit Behinderungen ein und tragen dazu bei, inklusive Lehr- und Lernmethoden landesweit zu stärken.

HI stärkt auch die wirtschaftliche Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen. Die Organisation unterstützt sie dabei, einen Arbeitsplatz zu finden, ein eigenes Unternehmen aufzubauen oder erfolgreich in den lokalen Arbeitsmarkt einzusteigen. Besonders im Fokus stehen junge Frauen und Mädchen mit Behinderungen, die häufig mit zusätzlichen Hürden beim Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit konfrontiert sind. Die Teams begleiten sie mit individuell abgestimmten Angeboten, darunter Berufs- und Fachausbildungen sowie Schulungen für die Selbstständigkeit, die sich an den Anforderungen des Arbeitsmarktes orientieren. Darüber hinaus unterstützt Handicap International den Aufbau von Kleinstunternehmen und erleichtert durch Praktika und die Vermittlung von Arbeitsplätzen den Einstieg ins Berufsleben. Handicap International setzt sich für innovative Lösungen, etwa im Bereich digitaler Barrierefreiheit und assistiver Technologien ein, um die langfristige wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen.

  • Anzahl der Mitarbeitenden von Handicap International: 55
  • Direkte Begünstigte, die 2025 von Handicap International unterstützt werden: 40 091 Menschen
  • Indirekte Begünstigte der Massnahmen von Handicap International im Jahr 2025: 200 455 Menschen
  • Start des Programms: 1992

Einsatzbebreiche

Neuigkeiten aus den Projekten

Rashid kann wieder laufen
© HI
Rehabilitation

Rashid kann wieder laufen

Rashids Familie musste 2018 aus dem Kongo fliehen und lebt seither im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia. Der Junge konnte schon als Kleinkind nicht richtig laufen, da seine Knie verformt waren. Er hatte keine Freunde und wurde oftmals von anderen Kindern gehänselt. 2021 wurde Rashid operiert und bekommt nun regelmässig Physiotherapie. Er ist einer von 15'000 Geflüchteten in Kakuma, die HI betreut. 

Ein folgenschwerer Geburtstag
© Abdul.Patient / HI
Inklusion Rehabilitation

Ein folgenschwerer Geburtstag

Saisa, die aufgrund eines Tierbisses oder -stichs ihr Bein verlor, hofft, bald wieder mit ihren Freund:innen rennen zu können. Wir begleiten sie, damit sie wieder gehen und in die Schule zurückkehren kann.

Supermodel Nicole Atieno in Kenia: Rührende Begegnungen
© Neil Thomas / HI

Supermodel Nicole Atieno in Kenia: Rührende Begegnungen

Nicole Atieno, Model und Botschafterin von Handicap International (HI), besuchte eines unserer Programme im Flüchtlingslager Kakuma in ihrer Heimat Kenia. Dort traf sie unsere Teams und einige unserer Begünstigten.

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Hintergrund

Karte des HI-Einsatzes in Kenia

Kenia ist ein Land mit mittlerem Einkommen und zählt zu den grössten Aufnahmeländern für Geflüchtete in Afrika. Gleichzeitig steht das Land weiterhin vor erheblichen humanitären Herausforderungen, die durch wiederkehrende Klimaschocks, Ernährungsunsicherheit und strukturelle Ungleichheiten verursacht werden.

Wiederholte Dürren und Überschwemmungen, insbesondere in den ariden und semiariden Regionen, haben die landwirtschaftliche Produktion, die Wasserversorgung und die Lebensgrundlagen vieler Menschen schwer beeinträchtigt. Dadurch steigt das Risiko von Mangelernährung und die Armut nimmt weiter zu. Gleichzeitig verschärfen grosse soziale Ungleichheiten und der eingeschränkte Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und sozialer Absicherung die Situation – insbesondere für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.

Kenia beherbergt zudem eine grosse Zahl von Geflüchteten, vor allem aus Somalia und dem Südsudan. Viele von ihnen leben seit Jahren in den Flüchtlingslagern Dadaab und Kakuma. Der humanitäre Bedarf bleibt hoch, während Finanzierungslücken dazu geführt haben, dass die Nahrungsmittelhilfe gekürzt wurde. Dadurch geraten die ohnehin begrenzten öffentlichen Dienstleistungen zusätzlich unter Druck, was die Lebensbedingungen sowohl für Geflüchtete als auch für die aufnehmenden Gemeinden weiter verschlechtert.

Menschen mit Behinderungen und andere besonders gefährdete Gruppen sind von diesen sich überschneidenden Krisen in besonderem Masse betroffen. Sie stossen häufig auf erhebliche Hürden beim Zugang zu Gesundheitsversorgung, Rehabilitation, Bildung und Möglichkeiten zur Existenzsicherung und sind sowohl in Flüchtlingslagern als auch in den aufnehmenden Gemeinden besonders von Ausgrenzung bedroht. Darüber hinaus sind Menschen mit Behinderungen in Kenia aufgrund von Stigmatisierung, Diskriminierung und eingeschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten häufig sozial und wirtschaftlich benachteiligt. Viele leben deshalb in Armut. Zusätzlich erschweren bürokratische Hürden den Zugang zu ihren gesetzlichen Rechten und zu finanziellen Unterstützungsleistungen.

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