Tschad
Im Tschad leistet Handicap International (HI) Nothilfe für Menschen, die vor dem Konflikt im benachbarten Sudan fliehen. HI engagiert sich zudem in mehreren Provinzen des Landes in den Bereichen inklusive Bildung und Unterstützung für Opfer von Gewalt.
Frauen warten auf einer von HI organisierten Landwirtschaftsmesse in Owoli. | © Gwenn Dubourthoumieu / HI
Laufende Aktivitäten
Angesichts der Krise im Sudan und den daraus folgenden Herausforderungen an der Ostgrenze des Tschad, arbeiten die Teams von HI für geflüchtete Bevölkerungsgruppen im Bereich Rehabilitation und psychologische Gesundheit. Diese Aktivitäten finden in den Provinzen Ouaddaï und Wadi Fira statt. Darüber hinaus kümmert sich Handicap International in der Provinz Wadi Fira um die Grundbedürfnisse der Menschen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser, Hygiene und Sanitärversorgung. HI ist auch in der Region Adré präsent, dem wichtigsten Transitpunkt für Flüchtlinge in der Provinz Ouaddaï, und leistet dort logistische Unterstützung: Die Abteilung Atlas Logistik stellt internationalen und lokalen humanitären Organisationen ein Lager für die Aufbewahrung humanitärer Hilfsgüter zur Verfügung. Zudem wurde eine Landebahn repariert, um den Zugang für humanitäre Hilfslieferungen zu erleichtern.
Handicap International führt zudem Nothilfemassnahmen und Projekte der Entwicklungszusammenarbeit durch und stützt sich dabei auf die Kernkompetenzen: Hilfe für Opfer von Gewalt und inklusive Bildung in Notsituationen. So trägt HI in mehreren Provinzen des Landes zur Bildung und Inklusion von Kindern mit Behinderungen bei, und unterstützt Kinder, insbesondere Mädchen, sodass sie eine Schule besuchen können. In den Provinzen Logone Oriental und Mandoul engagiert sich Handicap International in einem Projekt, das die Gewalt reduzieren soll. Dazu gehört die Unterstützung von Frauen bei der Teilhabe an Entscheidungsprozessen, vor allem im Zusammenhang mit Konflikten um die natürlichen Ressourcen der Region. Zudem fördert HI in der Hauptstadt N’Djamena und in der Provinz Borkou die gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Inklusion vulnerabler Gruppen wie Menschen mit Behinderungen und junger Frauen.
- Mitarbeitende von HI: 102
- Direkt unterstützte Menschen im Jahr 2025: 69.762
- Indirekt erreichte Menschen im Jahr 2025: 678.468
- Beginn der Programme: 2014
Einsatzbebreiche
Neuigkeiten aus den Projekten
Inklusion
Wilfried verwirklicht seinen Traum
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens von Handicap International präsentieren wir Ihnen verschiedene Erfahrungsberichte unserer Mitarbeitenden aus aller Welt. Lesen Sie das Interview mit Natoyallah Djimingaye, bekannt als Wilfried, einem 28-jährigen Reha-Beauftragten im Tschad. Seine Karriere wurde zum Teil durch unsere Unterstützung ermöglicht. So konnte er in Benin eine Ausbildung absolvieren und seine Fähigkeiten nach seiner Rückkehr in seinem Heimatland einsetzen.
Abschluss der zwei Jahre dauernden Drohnentests im Tschad
Im März haben wir die zwei Jahre dauernden Drohnentests im Norden des Tschad mit unseren Partnern Mobility Robotics und Côte d'Ivoire Flying Labs abgeschlossen.
Minensuchdrohnen : Eine Revolution in der Minenräumung !
In Faya-Largeau, im Norden des Tschad, hat Handicap International (HI) begonnen, Minensuchdrohnen zu testen. Das Ziel ist, genauer herauszufinden, welche Gefahren in und auf dem Boden lauern – eine Revolution in der Minenräumung !
Sie mit
Hintergrund
Der Tschad, ein Land in der Sahelzone Zentralafrikas mit rund 21,6 Millionen Einwohnern, befindet sich inmitten einer komplexen humanitären Krise: grossräumige Flucht- und Migrationsbewegungen, Klimakatastrophen etc.
Das Land nimmt seit Jahren Geflüchtete auf. Dazu gehören Menschen aus Darfur im Osten – insbesondere seit dem Konflikt, der seit April 2023 im Sudan andauert –, zentralafrikanische Flüchtlinge im Süden sowie Hunderttausende Binnenvertriebene in der Provinz Lac im Südwesten aufgrund wiederkehrender Gewalt in der Region. Diese Vertreibungen verschärfen den Druck auf die ohnehin begrenzten Ressourcen, besonders auch aufgrund des Klimawandels: Schwere Dürren, heftige Überschwemmungen und Wüstenbildung beschleunigen das Austrocknen des Tschadsees und schmälern die Lebensgrundlagen der lokalen Gemeinden.
Infolgedessen hat die Ernährungsunsicherheit ein kritisches Ausmass erreicht: Im Jahr 2025 waren 4,3 Millionen Menschen akut von Ernährungsunsicherheit betroffen, und 1,3 Millionen leiden unter Unterernährung, besonders im Süden und Osten des Landes. Darüber hinaus gefährden medizinische Notfälle wie Cholera-Epidemien und Konflikte zwischen verschiedenen lokalen Gruppierungen im Tschadseebecken die Bevölkerung zusätzlich.
Trotz der Bemühungen des Landes und der Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft sind die humanitären Mittel nach wie vor unzureichend: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind nur 16 % des Hilfsplans für 2026 finanziert, wodurch die Hilfe auf die Abdeckung von Grundbedürfnissen beschränkt bleibt und mehr als 1 Million Menschen ohne weitere Unterstützung bleiben.
