Finanzielle Direkthilfe durch Handicap International: die notwendige Ergänzung

Mobilisierung Nothlife
International

Geld direkt an Menschen geben, die Unterstützung brauchen? Das ist eine schnelle und gezielte Möglichkeit, die Grundbedürfnisse von schutzbedürftigen Menschen zu erfüllen. Diese Form der humanitären Hilfe ist für viele Menschen in Krisenländern lebenswichtig und hat im Zuge der Corona-Epidemie zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Deshalb ist die finanzielle Unterstützung Teil unserer humanitären Hilfe.

Nothilfeeinsatz auf den Philippinen nach dem Taifun Mangkhut im Jahr 2018.

Nothilfeeinsatz auf den Philippinen nach dem Taifun Mangkhut im Jahr 2018. | | © HI

Wer profitiert von dieser Direkthilfe?

Diese Hilfe ist für Menschen in ernsten humanitären Notsituationen bestimmt: eine Flüchtlingsfamilie, eine Familie, die in extremer Armut lebt oder von den Folgen einer Naturkatastrophe oder einer Nahrungsmittelkrise betroffen ist. Oft erhalten diese Familien bereits humanitäre Hilfe von unserer Organisation oder einem unserer Partner (Bereitstellung von Notunterkünften, Lebensmittelpakete, Zugang zu medizinischer Versorgung, ...). Um zu bestimmen, wer von der finanziellen Direkthilfe profitieren kann, wenden wir Auswahlkriterien an, um die Vulnerabilität einer Person zu prüfen: Alter (z. B. eine ältere, isolierte Person), Geschlecht (eine alleinstehende Frau mit Kindern), das Vorhandensein einer Behinderung, usw. Diese Kriterien ermöglichen es uns, Personen mit Priorität zu bestimmen.

Wie läuft der Geldtransfer?

Die Überweisung wird oft mit einem Dienstleistungsunternehmen wie Western Union durchgeführt. Wir informieren die Menschen telefonisch, dass sie an einem speziellen Schalter gegen Vorlage eines Ausweises einen bestimmten Betrag abheben können. Dies kann eine einmalige Zahlung oder eine in mehreren Raten sein, abhängig von der Schwere der Situation der Person. Die Beträge variieren je nach Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern und der Anzahl der Personen in einem Haushalt. So bekommt eine Person in Madagaskar zum Beispiel 20 Euro in Madagaskar und in Kolumbien 70 Euro. Wir haben Zugang zu einem Computersystem, das es uns ermöglicht, Abhebungen zu überwachen, und wir stehen in ständigem Kontakt mit den Begünstigten, um eventuelle Schwierigkeiten zu beheben.

Warum Überweisungen?

Ein Geldtransfer kommt meist als Ergänzung zu einer bereits gewährten Hilfe. Finanzielle Direkthilfe ermöglicht die Deckung von Bedürfnissen, die im Allgemeinen nicht durch humanitäre Hilfe abgedeckt werden. Eine NGO stellt beispielsweise  eine vorübergehende Unterkunft zur Verfügung, trägt aber selten zur Zahlung einer Miete bei. Manchmal leben Flüchtlinge in einem Gastland, wo sie eine Unterkunft  mieten. Dies ist im Libanon der Fall, wo viele syrische Flüchtlinge Wohnungen mieten. Das Geld kann aber auch für den Kauf von Lebensmitteln oder Medikamenten verwendet werden. Dies ist besonders bei Menschen der Fall, die an schwerwiegenden Gesundheitsproblemen leiden, die keine Krankenversicherung haben oder die aufgrund ihres Status keinen Zugang zu kostenlosen öffentlichen Gesundheitsdiensten haben (z. B. eine Person, die noch keinen Flüchtlingsstatus hat).

Wissen wir, wie dieses Geld verwendet wird?

Wir führen stichprobenartig Evaluationen durch: Die ersten Ausgabenposten sind immer Nahrung, Unterkunft und Medikamente – allesamt lebenswichtige Bedürfnisse. 
Mit diesem System verbessert HI nicht nur die individuelle Situation der Menschen, sondern unterstützt, je nach Region, auch eine geschwächte lokale Wirtschaft.

22 Januar 2021
Einsatzländer

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