Landesweit nur 24 Intensivbetten - HI schützt die Schwächsten im Südsudan

Nothlife
Südsudan

Im Südsudan leben etwa 11 Millionen Menschen. Laut statistische Schätzungen könnte das Coronavirus wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung erreichen. In diesem Land mit nur 24 Intensivbetten und sehr begrenzter medizinischer Ausrüstung ist es von grösster Bedeutung, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. 

© HI

Seit 2006 unterstützt Handicap International (HI) Menschen mit Behinderung und besonders schutzbedürftige Binnenvertriebene im Südsudan. Da sie mit dem Schlimmsten gerechnet haben, haben die HI-Team das Risiko vorhergesehen und ihre Aktivitäten bereits angepasst. So verhindern sie, dass das Virus sich ausbreitet.  Armogast Mwasi, Programmleiter von HI im Südsudan, erläutert die Situation.

Das Coronavirus verschärft die bestehende humanitäre Krise

Die Gesundheits- und Hygienebedingungen hier sind katastrophal. 56 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Darüber hinaus hat über die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser und gerademal 15 Prozent haben Zugang zu Latrinen. Die Infektionspräventions- und Kontrollrate im Bereich Gesundheit und Hygiene liegt bei 7 Prozent. Gegenwärtig leben 1,67 Millionen Binnenvertriebene und 279‘880 kürzlich zurückgekehrte Menschen im Land.“ 

Auch ohne das Coronavirus befinden sich wahrscheinlich sechs Millionen Menschen in einer Krisensituation oder es mangelt ihnen an Lebensmitteln. Gemeinden mit einer grossen Anzahl von Rückkehrenden und Geflüchteten sind besonders anfällig, weil Nahrungsmittel und die Versorgung auf dem Markt bereits knapp sind. Die Schliessung der Grenzübergänge aufgrund der Corona-Pandemie übt Druck auf die ohnehin schon hohen Lebensmittelpreise aus und führt zu schwankenden Wechselkursen. Die Schliessung von Betrieben, die als nicht unbedingt notwendig eingestuft wurden, verringert die Möglichkeiten, ein eigenes Einkommen zu verdienen. Das erhöht die Hilfsbedürftigkeit dieser geschwächten Menschen weiter“, erklärt Armogast Mwasi.

Aufklärungsmassnahmen von Tür zu Tür

In den Flüchtlingslagern gehen die Aktivitäten wie bisher weiter, doch HI ist nun zusätzlich in der Prävention des Coronavirus tätig. Jede unterstützte Person oder Gruppe erhält Informationen und lernt die wichtigsten Schutzmassnahmen kennen. 

„Die Herausforderung für HI besteht auch darin, die Hilfe für diese gefährdeten Menschen aufrechtzuerhalten. Wir müssen ihre grundlegende Versorgung sicherstellen und verhindern, dass sie noch schutzbedürftiger werden. Wir müssen ihren Zugang zu Lebensmitteln, Hygieneprodukten und Gesundheitsdiensten so weit wie möglich gewährleisten“.

Die Botschaft lautet: Niemanden zurücklassen!

„Lasst niemanden zurück! Menschen mit Behinderung sind während der Corona-Pandemie einem hohen Risiko ausgesetzt, krank zu werden. Denn sie erhalten nicht immer die Informationen, die sie brauchen, um sich zu schützen. Möglicherweise wissen sie nicht, wo und wie sie die benötigten Leistungen und Hilfe in Anspruch nehmen können. Geben Sie alle Informationen, die Sie erhalten, an die Menschen und ihre Pfleger/-innen weiter, damit alle gut informiert sind“. Dies ist eine der zentralen Botschaften, die HI vermittelt.

Wir haben Aufklärungsveranstaltungen durchgeführt. Teilnehmer/-innen haben gelernt, wie sie sich selbst schützen und wie sie den Menschen, denen sie helfen, wichtige Informationen über die Prävention zukommen lassen können. Sie wurden über die Epidemie, ihre Übertragungsweise, die Anzeichen, Symptome und Vorsichtsmassnahmen geschult. Sie lernten auch, wie sie die richtigen Botschaften über den Schutz von Menschen mit Behinderung vermitteln. Denn diese und ihre Betreuungspersonen sollen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Hilfsdiensten haben.

So viele Menschen wie möglich erreichen

Um das Bewusstsein für das Coronavirus wirksam zu schärfen und so viele Menschen wie möglich mit den Botschaften zu erreichen, hat sich HI auch an die Medien gewandt und eine Radiosendung gefördert, durch die etwa 280‘000 Menschen erreicht wurden.

Parallel dazu stimmt sich HI mit den nationalen Behörden und humanitären Akteuren ab, die sich mit der Kommunikation der Gefahren, dem Einsatz in den Gemeinden, der Prävention, der Infektionskontrolle sowie dem Fallmanagement befassen. Wir nehmen an bilateralen Treffen und an einer nationalen Plattform zur Koordination teil. Hinzu kommen Sektorgruppen und technische Arbeitsgruppen. Als Teil des Clusters Gesundheit wurde HI auch zur federführenden Stelle für die Koordination der Untergruppe für das nationale Corona-Hilfstelefon für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung und für die Arbeitsgruppe Behinderung ernannt.
 

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14 Mai 2020
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