Weltweite Umfrage zeigt: Kürzungen der internationalen Hilfe treffen Menschen mit Behinderungen schwer

Inklusion Rechte von menschen mit behinderungen und politik
International

Eine von Handicap International (HI) in über 35 Ländern durchgeführte Umfrage zeigt die verheerenden Folgen der Kürzungen bei der internationalen Hilfe für Menschen mit Behinderungen: zunehmende Ausgrenzung, eingeschränkter Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und existenzielle Bedrohung. Der Bericht bezeichnet die Situation als «drastischsten Rückgang der Hilfe in der modernen Geschichte».

 

Eine vom HI-Projekt «InBusiness» unterstützte Unternehmerin in ihrem Nähatelier im Flücht-lingslager Kakuma.

Eine vom HI-Projekt «InBusiness» unterstützte Unternehmerin in ihrem Nähatelier im Flücht-lingslager Kakuma. | © I. Rugenge / HI

 

Folgen der Mittelkürzungen für Menschen mit Behinderungen

Dem Bericht zufolge war 2025 das Jahr mit dem stärksten jährlichen Rückgang der öffentlichen Entwicklungshilfe, der je verzeichnet wurde. Demnach sank die weltweite Hilfe um 23,1 Prozent. Erstmals haben im selben Jahr die fünf grössten Geberländer der Welt ihre Hilfsbudgets gekürzt.

Der Bericht warnt davor, dass die aktuellen Kürzungen der Hilfe die Inklusion von Menschen mit Behinderungen noch stärker an den Rand der internationalen Zusammenarbeit drängen könnten.

Daniel Suda-Lang, Geschäftsleiter von HI Schweiz, erklärt:

«Jede Budgetkürzung hat auch menschliche Folgen. Sie kann Menschen den Zugang zu Rehabilitation, Bildung, Gesund-heitsversorgung oder zu anderen Unterstützungsleistungen, die für ihre Selbstständigkeit unverzichtbar sind, nehmen. […] Die internationale Gemeinschaft muss reagieren und die-se Entwicklung umkehren, bevor ihre Folgen irreversibel werden.»

Behindertenorganisationen befinden sich in einer beispiellosen Finanzierungskrise

Die Umfrage zeigte, dass 79 Prozent der Organisationen, die Menschen mit Behinderungen unterstützen, in den vergangenen 18 Monaten von schweren oder sehr schweren Finanzierungskürzungen betroffen waren. Dies betraf Organisationen in allen Regionen und auf allen organisatorischen Ebenen.

Die Folgen waren unmittelbar:
•    72 Prozent der Organisationen haben mindestens ein Programm oder eine Aktivität gestrichen oder ausgesetzt.
•    43 Prozent geben an, ihren Auftrag nur noch in geringem oder sehr geringem Umfang erfüllen zu können.
•    14 Prozent erklären, dass ihnen die endgültige Schliessung droht, wenn sich die aktuellen Entwicklungen fortsetzen.
•    Die USA haben ihr Engagement im Bereich der internationalen Hilfe stark zurückgefahren. Dazu haben sie die USAID aufgelöst und Tausende Programme beendet oder ausgesetzt. Das Ergebnis ist ein doppelter Rückschlag: Sowohl die finanzielle Unterstützung als auch das institutionelle Engagement für Inklusion haben abgenommen.

Besonders betroffen: Frauen, Kinder, Geflüchtete und die ländliche Bevölkerung

Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Kürzungen der internationalen Hilfe Menschen mit Behinderungen, die ohnehin schon vielfältigen Formen der Ausgrenzung ausgesetzt sind, unverhältnismässig stark treffen.

Die befragten Organisationen nannten folgende Gruppen als besonders betroffen:
•    Kinder mit Behinderungen (85 Prozent),
•    Frauen und Mädchen mit Behinderungen (84 Prozent),
•    ältere Menschen mit Behinderungen (83 Prozent).

Frauen und Mädchen mit Behinderungen haben nur eingeschränkten Zugang zu spezialisierten Unterstützungsleistungen und sind einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Kinder und Jugendliche sind von Unterbrechungen bei Rehabilitations-, Ernährungs- und Bildungsangeboten betroffen, was das Risiko von Schulabbruch, Mangelernährung und irreversiblen Entwicklungsverzögerungen mit sich bringt.

Angesichts dieser Erkenntnisse fordert HI Schweiz den Bundesrat zum Handeln auf. In einer Petition fordert die Organisation, dass die Schweiz Menschen mit Behinderungen in ihre humanitäre Hilfe einbezieht. Im Winter 2026 wird sie beim Bundesrat eine entsprechende Motion einreichen. Jede Unterschrift erhöht die Chancen, dass diese Motion angenommen wird. Die Petition kann unter folgendem Link unterzeichnet werden: Handicap International Schweiz: Unterschreiben Sie die Petition | Handicap International CH

Erfahren Sie mehr über die erhobenen Daten und die gesammelten Erfahrungsberichte im vollständigen Bericht «Funding cuts turn inequalities into permanent exclusion».

13 August 2026

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