Afghanistan
In Afghanistan stellt Handicap International (HI) Rehabilitationsmassnahmen für Menschen mit Behinderungen bereit und fördert die Inklusion benachteiligter Bevölkerungsgruppen.
Das Rehabilitationszentrum in Kandahar. | © Jaweed Tanveer / HI
Laufende Aktivitäten
Handicap International unterstützt seit langem Rehabilitationszentren in mehreren Provinzen Afghanistans. In diesen Zentren versorgen wir Menschen mit Rehabilitationsmassnahmen, leisten psychosoziale Unterstützung und passen Prothesen und Orthesen an. Darüber hinaus stellen wir Mobilitätshilfen (z. B. Rollstühle und Gehstöcke) zur Verfügung. Zudem werden Nachsorge, Reparatur von Hilfsmitteln und Überweisungsdienste angeboten.
HI führt derzeit mehrere Existenzsicherungsprojekte in den Provinzen Kunduz, Bamyan, Kunar und Nangarhar durch. Diese Projekte unterstützen benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen, Binnenvertriebene, von Frauen geführte Haushalte sowie Haushalte, die durch das Erdbeben im August 2025 ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage verloren haben. Vor Ort hilft HI den Betroffenen, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit wiederaufzubauen. Wir helfen mit:
- Berufsausbildungen, die praktische Fähigkeiten vermitteln,
- Verteilung von Existenzsicherungs-Kits, die Werkzeuge und Ausrüstungen für den Start kleiner Unternehmen enthalten,
- Individuelles Coaching und Begleitung, um nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten zu entwickeln.
Handicap International arbeitet zudem mit anderen humanitären Organisationen zusammen, um Hilfsprogramme inklusiver und zugänglicher zu gestalten. Dazu gehören Sensibilisierungsmassnahmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen sowie Schulungen und Kapazitätsaufbau für humanitäres Personal.
In den Provinzen Kunduz und Herat führt Handicap International Risikoaufklärungsveranstaltungen zu den Gefahren von Blindgängern durch. Diese Schulungen finden in Dörfern, Schulen und landwirtschaftlichen Gebieten statt. Das Projekt konzentriert sich auf besonders gefährdete Menschen, darunter z.B. Landwirte, die auf kontaminierten Feldern arbeiten, Schulkinder, Schrottsammler und Rückkehrende aus dem Iran und Pakistan.
Anzahl der HI-Mitarbeiter*innen: 480
Beginn des Programms: 1987
Anzahl der von HI 2025 unterstützten Menschen: 70.700 Menschen
Neuigkeiten aus den Projekten
Verheerendes Erdbeben in Afghanistan: humanitäre Nothilfe läuft an
In der Nacht zum 1. September 2025 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,0 den Osten Afghanistans. Handicap International mobilisiert seine Nothilfe-Teams.
Die Geschichte von Omaid aus Kundus
Als Omaid fünf Jahre alt war, wurde er durch eine Landmine verletzt. Dabei verlor er ein Bein. Seine Geschichte zeigt beispielhaft, wie dringend die Menschen der Region auf ein umfassendes Rehabilitationsangebot, insbesondere Prothesen und Physiotherapie, angewiesen sind, um ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Träume zu verwirklichen.
Erdbeben in Afghanistan: über 74’000 Menschen betroffen
Mehrere Erdbeben haben die afghanische Provinz Herat erschüttert. Wir sind seit 1987 im Land tätig und arbeiten derzeit mit unseren Partnern zusammen, um den Opfern zu helfen.
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Hintergrund
Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist durch mehr als vier Jahrzehnte Konflikt, wiederkehrende Naturkatastrophen, chronische Armut und Ernährungsunsicherheit gezeichnet. Seit die Taliban im August 2021 die Macht übernahmen, durchlebt das Land eine schwere Wirtschaftskrise und einen drastischen Rückgang der internationalen Finanzhilfen. Millionen von Menschen sind in der Folge auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Heute erlebt Afghanistan eine der schwersten Hungerkrisen weltweit. Etwa 17,4 Millionen Menschen – mehr als ein Drittel der Bevölkerung – leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit. Für 2026 wird erwartet, dass 4,9 Millionen Frauen und Kinder an Unterernährung leiden werden.
Kürzungen der humanitären Finanzmittel zwingen Hilfsorganisationen, ihre Unterstützung drastisch zu reduzieren, wodurch viele benachteiligte Familien ohne Hilfe bleiben. Die humanitäre Lage wird zusätzlich durch klimabedingte Katastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Erdbeben verschärft. Zudem wurden in den letzten Jahren Millionen von Afghan*innen zur Rückkehr aus Nachbarländern wie dem Iran und Pakistan gezwungen, was die ohnehin überlasteten Gemeinden und humanitären Dienste weiter belastet.
Afghanistan bleibt zudem eine der grössten Flüchtlingskrisen der Welt. Millionen Afghan*innen leben weiterhin als Flüchtlinge im Ausland, vor allem im Iran und in Pakistan, während viele andere aufgrund von Konflikten, Naturkatastrophen und wirtschaftlicher Not innerhalb des Landes vertrieben wurden.
