22’600 Zivilpersonen durch Explosivwaffen getötet

Minen und andere Waffen
International

Dem Explosivwaffen-Monitor zufolge wurden im Jahr 2025 22’600 Zivilpersonen durch Explosivwaffen getötet. Dies entspricht einem Rückgang von 21 % gegenüber dem Höchststand von 28’600 im Jahr 2024. Doch diese Verbesserung ist trügerisch: Sie erklärt sich durch die Waffenstillstände in Gaza und im Libanon, wo die Zivilbevölkerung jedoch nach wie vor unter Bombardierungen leidet. Überall sonst verschlechterte sich die Lage: Es gab mehr betroffene Länder, mehr Waffenarten und mehr zerstörte zivile Einrichtungen. Die Zivilbevölkerung in mindestens 65 Ländern und Gebieten litt unter dem Einsatz von Explosivwaffen.

In Syrien untersucht im November 2025 ein Minenräumer von Handicap International ein mit explosiven Kampfmittelrückständen kontaminiertes Gebiet, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

In Syrien untersucht im November 2025 ein Minenräumer von Handicap International ein mit explosiven Kampfmittelrückständen kontaminiertes Gebiet, um die Zivilbevölkerung zu schützen. | © T. Nicholson / HI

Alarmierende Zahlen

  • 22’600 zivile Todesopfer durch Explosivwaffen im Jahr 2025 
  • Mindestens 65 Länder und Gebiete betroffen 
  • 56 % aller weltweit registrierten Todesfälle werden den israelischen Streitkräften zugeschrieben
  • 85 % aller Vorfälle mit zivilen Opfern sind auf 29 staatliche Streitkräfte zurückzuführen 
  • 2541 Angriffe auf humanitäre Hilfsmassnahmen – ein Anstieg um 52 % gegenüber 2024 
  • 1416 Angriffe auf Schulen – ein Anstieg um 64 % gegenüber 2024

«Durch die systematischen Bombardierungen und Beschüsse werden lebenswichtige Einrichtungen zerstört. Der Einsatz von Explosivwaffen in besiedelten Gebieten untergräbt systematisch den Zugang der Zivilbevölkerung zu den für ihr Überleben unverzichtbaren Grundversorgungsleistungen. Im Jahr 2025 wurden Schulen, Spitäler, Hilfskonvois, Wasserleitungen und Lebensmittelmärkte in immer schnellerem Tempo, an immer mehr Orten und von immer mehr Akteuren zerstört.»
Leiterin Advocacy, Anne Héry

Drohnen-Boom

Luftwaffen – zunehmend Drohnen – waren für 67 % aller Vorfälle mit zivilen Schäden verantwortlich. Dieser Trend verstärkte sich: Allein in der Ukraine nahm der Einsatz von Drohnen bei Angriffen auf Schulen um 358 % zu, und die Drohnenangriffe auf Flüchtlingslager in den palästinensischen Gebieten verfünffachten sich.

Angriffe auf grundlegende Dienstleistungen

Sämtliche Arten lebenswichtiger Einrichtungen wurden mit Explosivwaffen angegriffen und die Bilanz verschlechterte sich: 

  • Humanitäre Hilfe: Im Jahr 2025 kam es zu 2541 Angriffen mit Explosivwaffen auf humanitäre Hilfsaktionen, was einem Anstieg von 52 % gegenüber 2024 entspricht. Rund 90 % davon fanden im palästinensischen Gebiet statt. Mindestens 108 humanitäre Helfer:innen wurden getötet.
  • Bildung: Die Angriffe auf Schulen und Universitäten stiegen um 64 % – von 865 Vorfällen im Jahr 2024 auf 1416 im Jahr 2025. 27 Länder waren betroffen. In der Ukraine stiegen russische Drohnenangriffe auf Schulen um 358 % an. 
  • Gesundheitswesen: In 22 Ländern kam es zu insgesamt 1272 Zwischenfällen in Spitälern, Kliniken und Rettungswagen. In der Ukraine war ein Anstieg um 20 % zu verzeichnen, der auf russische Drohnenangriffe zurückzuführen ist. 267 Gesundheitsfachkräfte wurden getötet. 806 Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört.
  • Nahrungsmittel und Wasser: 1082 Angriffe auf die Nahrungsmittelversorgung in 15 Ländern, darunter 190 Angriffe auf Märkte und 154 Vorfälle auf landwirtschaftlichen Flächen. 87 Angriffe auf Wasserversorgungsanlagen in 15 Ländern zwangen Gemeinschaften dazu, auf kostspielige Alternativen oder nicht trinkbares Wasser zurückzugreifen.

Staaten – darunter auch Vertragsstaaten – als Hauptverantwortliche

Staatliche Streitkräfte sind für 85 % aller Vorfälle verantwortlich, die zivile Schäden verursacht haben. Das sind mehr als 17’300 Vorfälle. Demgegenüber werden nicht staatlichen Akteuren nur 3090 Vorfälle zugeschrieben.

Die Zahl der Unterzeichnerstaaten der Politischen Erklärung zu Explosivwaffen von 2022, die zivile Opfer verursacht haben, stieg von fünf im Jahr 2024 auf acht im Jahr 2025: Kambodscha, Kenia, Marokko, Nigeria, die Republik Korea, Somalia, die Türkei und die Vereinigten Staaten.

Die Zahl der Länder, die unter dem Einsatz von Explosivwaffen durch Vertragsstaaten zu leiden hatten, stieg von fünf im Jahr 2024 auf 13 im Jahr 2025. Dies zeigt, dass politische Verpflichtungen in diesen Fällen offenbar nicht zu einer Änderung der militärischen Praxis führen.

16 Juni 2026

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
[email protected]

 

Bleiben Sie informiert !

Erhalten Sie aktuelle Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort und unsere Notfallaufrufe.

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Eine Schweizer Minenräummaschine (Digger) ist in den Senegal unterwegs
© Fondation Digger
Minen und andere Waffen

Eine Schweizer Minenräummaschine (Digger) ist in den Senegal unterwegs

Die Stiftung Digger mit Sitz in Tavannes im Kanton Bern arbeitet seit 2011 mit Handicap International in der Casamance im Senegal zusammen, einer Region, die noch immer von den Folgen eines bewaffneten Konflikts gezeichnet ist. Anfangs lieferte Digger Maschinen. Heute geht die Rolle der Stiftung weiter: Sie beteiligt sich aktiv an der Wiederaufnahme der Einsätze, unter anderem indem sie einen Teil der Teams vor Ort mitfinanziert. Nun wurde eine neue Minenräummaschine in den Senegal geschickt.

«Ich sage meinen Freunden, sie sollen sich vor Minen in Acht nehmen»
© HI
Inklusion Minen und andere Waffen Rehabilitation

«Ich sage meinen Freunden, sie sollen sich vor Minen in Acht nehmen»

Zaid ist beim Spielen mit seinen Freund:innen auf einen Sprengkörper getreten – wahrscheinlich eine Mine. Er erlitt eine so schwere Beinverletzung, dass das Bein amputiert werden musste. Handicap International hilft ihm, wieder gehen zu lernen.

In Gaza lernt Nesma wieder laufen und schöpft neue Zuversicht
© HI
Inklusion Rehabilitation

In Gaza lernt Nesma wieder laufen und schöpft neue Zuversicht

Nesma gehört zu den Tausenden Menschen in Gaza, die bei den Bombardierungen verletzt wurden. Nachdem sie ihr rechtes Bein verloren hatte, machte die junge Frau eine sehr schwere Zeit durch. Dank psychologischer Betreuung und Rehabilitation durch Handicap International fand sie langsam ihr Selbstvertrauen wieder und machte ihre ersten Schritte mit der Prothese. Heute ist sie im sechsten Monat schwanger und bereitet sich darauf vor, Mutter zu werden.

Bleiben Sie informiert !

Erhalten Sie aktuelle Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort und unsere Notfallaufrufe.

 
 

Kontakt

Handicap International Schweiz
Avenue de la Paix 11, 1202 Genf
+41 (0)22 788 70 33
[email protected]

Uns kontaktieren

IBAN: CH66 0900 0000 1200 0522 4

 
 

Suchbegriff eingeben

 
 

Unser Netzwerk

 
 

Folgen Sie uns