Bildung, Mädchen, Behinderung: Handicap International engagiert sich gegen Ausgrenzung

Inklusion Inklusion
Burkina Faso Mali Niger

Nach Durchführung einer Studie, die in Burkina Faso, Mali und Niger realisiert wurde, warnen wir vor der Ausgrenzung von Mädchen mit Behinderung von der Schule. Weltweit ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit Behinderung Analphabetinnen sind, dreimal so hoch wie bei Männern ohne Behinderung. Um die Öffentlichkeit für dieses Problem zu mobilisieren, rufen wir dazu auf, die Petition #School4all zu unterschreiben: Alle Kinder haben das Recht auf Bildung.

© Nicolas Axelrod-Ruom / HI

Der Ausschluss von jungen Mädchen, auch von Mädchen mit Behinderung, aus dem Schulsystem ist eine Diskriminierung, gegen die wir täglich kämpfen. Eine neue Studie, die wir 2019 in der Sahelzone mit 370 Personen durchgeführt haben, belegt, dass Mädchen mit Behinderung aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung in der Bildung benachteiligt werden.

Download der Studie (Methodik, Ergebnisse und Bericht auf Englisch): Education, girl, disability: an equation to solve. Ensuring the right to education for girls with disabilities in the Sahel

Was die Studie zeigt

Mädchen mit Behinderung sind in Statistiken, Studien und in der staatlichen Politik kaum sichtbar. Durch Beobachtungen und Interviews mit 370 Personen zeigt unsere Studie, dass in Mali weniger als 18% der Frauen mit Behinderung lesen und schreiben können. In Niger und Mali hat mehr als die Hälfte der Mädchen, die die Grundschule besuchen, keinen Zugang zu einer weiterführenden Schule. In Burkina Faso schliessen nur 1% der Mädchen die Sekundarschule ab.

Ein Kind mit einer Behinderung zu haben, wird von vielen Familien als "Tragödie" oder "Strafe" angesehen. Manche denken, dass Behinderung ansteckend ist.

Ein Junge wird als der zukünftige Verantwortliche für das Einkommen der Familie gesehen und wird zur Schule geschickt. Ein Mädchen wird eher auf häusliche Tätigkeiten beschränkt.

Wenn sie es schaffen, zur Schule zu gehen, verlassen Mädchen mit Behinderung die Schule oft frühzeitig, wenn sie sich der Pubertät nähern, weil die Familie sie vor sexueller Gewalt und früher Schwangerschaft schützen möchten. In ländlichen Gebieten ist die Entfernung zwischen Wohnort und Schule ein grosses Hindernis für ihre Einschulung.

Die Ergebnisse dienen einerseits dazu, die Projekte von uns und unseren Partnern im Bereich der inklusiven Bildung zu steuern und andererseits der Sensibilisierung von relevanten Akteuren für die Bedeutung von geschlechtersensiblen inklusiven Bildungsmassnahmen.

Unsere Organisation und Inklusive Bildung

Wenn jeder Erwachsene auf der Welt eine weiterführende Schule abgeschlossen hätte, würde sich die weltweite Armutsrate halbieren. Die Verringerung der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung könnte den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen jedes Jahr zwischen 112 und 152 Milliarden Dollar einbringen. 

Im Jahr 2020 haben wir 52 Projekte in 27 Ländern in West-, Zentral-, Nord- und Ostafrika, dem Nahen Osten und Asien für Kinder mit Behinderung durchgeführt. Die Projekte sind unterschiedlich: Identifizierung von Kindern mit Behinderung ausserhalb des Bildungssystems, Schulausstattung, Zugänglichmachung von Schulen, Weiterbildung von Lehrpersonen, Verteidigung des Rechts auf Bildung, individuelle Förderung oder Anpassung von Unterrichtsmaterialien. In Mali, Niger und Burkina Faso sind mehr als 1‘000 Schulen an unseren inklusiven Bildungsprojekten beteiligt.

Eine Petition für den Zugang zu Bildung für alle

Für einen echten, nachhaltigen Wandel muss inklusive Bildung in den staatlichen Handlungsplänen und wichtigen nationalen und internationalen Massnahmen berücksichtigt und integriert werden. Um die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema zu mobilisieren und Druck auf die Regierungen auszuüben, haben wir die Petition #School4all lanciert: Alle Kinder haben das Recht auf Bildung. Mit unserer Expertise und der Unterstützung der Öffentlichkeit können wir die Regierungen der Sahel-Länder und internationale Entwicklungsorganisationen auf die Ausgrenzung von Mädchen mit Behinderung von der Schule aufmerksam machen und sensibilisieren.

26 Januar 2021
Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
[email protected]

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Rückblick 2022 – Vielen Dank für Ihre Grosszügigkeit ! Inklusion

Rückblick 2022 – Vielen Dank für Ihre Grosszügigkeit !

2022 feiern wir unser 40-Jahr-Jubiläum. 40 Jahre Engagement für äusserst schutzbedürftige Menschen. 2022 war auch das 25-Jahr-Jubiläum der Unterzeichnung des Ottawa-Vertrags gegen Landminen und des uns verliehenen Friedensnobelpreises. Der Kampf für den Schutz von Zivilisten geht weiter, und zwar mit der Unterzeichnung der politischen Erklärung gegen die Bombardierung von bewohnten Gebieten. Unsere Teams leisteten ausserdem humanitäre Nothilfe für die Opfer: des Krieges in der Ukraine, der Überschwemmungen in Pakistan und für die Opfer der Dürre in Madagaskar. 2022 konnten dank Ihnen mehr als 3 Millionen Menschen von unseren Programmen in fast 60 Ländern profitieren.

Projektreise nach Ruanda
© HI
Inklusion Inklusion

Projektreise nach Ruanda

Unser Geschäftsleiter Daniel Suda-Lang und ein Mitglied unseres Vorstands, Jean-Marc Dougoud, sind nach Ruanda gereist, um unsere Projekte gegen Gewalt aufgrund von Geschlecht, Alter oder Behinderung zu besuchen. Während der einwöchigen Reise hatten sie die Gelegenheit, unsere Teams vor Ort zu treffen und sich mit den von uns unterstützten Menschen auszutauschen.

John Brima, Mitarbeiter in Sierra Leone seit 1996
© HI
Inklusion

John Brima, Mitarbeiter in Sierra Leone seit 1996

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens von Handicap International präsentieren wir Ihnen verschiedene Erfahrungsberichte unserer Mitarbeitenden aus aller Welt. Lesen Sie das Interview mit John Brima , der in Freetown als Reinigungskraft für unsere Hilfsorganisation arbeitet.