Ich wollte doch nur Fussball spielen

Rehabilitation
Irak

Im Januar 2017 wurde Omar in Makhmour durch einen improvisierten Sprengkörper verletzt. Er verlor Teile seiner Hand und seiner Füsse, und seine Beine waren gebrochen. Derzeit befindet er sich im Krankenhaus von Qayyarah noch auf dem Weg der Genesung und erhält Hilfe von Handicap International. Wir haben ihm einen Toilettenstuhl zur Verfügung gestellt und begleiten ihn mit Rehabilitationsmassnahmen. 

Omar im Spital Qayyarah

Omar im Spital Qayyarah | (c) E. Fourt / Handicap International

Heute geht Hersh, Physiotherapeut von Handicap International, ins Krankenhaus von Qayyarah. Das Haus, nicht weit von Mossul entfernt, nimmt viele Verletzte auf. Im Oktober letzten Jahres begannen die irakischen Streitkräfte eine Militäroffensive, um die Stadt Mossul von der Gruppe des Islamischen Staats zurückzugewinnen. Seither wurden mehrere tausend Menschen durch improvisierte (selbstgebaute) Sprengkörper verletzt. Zu ihnen gehört Omar, der als Notfall am 26. Januar in das Krankenhaus eingeliefert wurde.

"Wir sind nicht aus Mossul, sondern aus einer kleinen benachbarten Stadt, die in den letzten Jahren intensiv umkämpft war“, erklärt der Vater des Jugendlichen, als wir ihn an Omars Bett treffen. "Wir wissen, dass unsere Gegend mit explosiven Munitionsrückständen verseucht ist. Einer dieser Sprengkörper hat meinen Sohn letzte Woche schwer verletzt." Auf dem  Bett liegend erzählt der Junge: "An dem Tag wollte ich meine Freunde zum Fussballspiel treffen. Als ich auf dem leeren Grundstück auf sie wartete, ist mir ein kleines metallisches Ding aufgefallen. Zuerst bin ich hingelaufen, dann bin ich in die Hocke gegangen, um es aufzuheben. Als ich es berührt habe, gab es eine starke Explosion. Ich erinnere mich nicht mehr genau, was danach passiert ist… Ich kann nur einfach das viele Blut auf meinen Beinen nicht vergessen. Dann habe ich angefangen zu weinen und um Hilfe gerufen."

Menschen aus dem Dorf hören die Schreie des Jungen und laufen zu ihm. Sie bringen ihn direkt ins Krankenhaus und begegnen unterwegs Omars Vater. Als man ihm sagt, dass sein Sohn verletzt wurde, und er selbst sieht, in welchem Zustand er sich befindet, erschüttert ihn das furchtbar. "Wie jeder Vater wäre ich lieber an seiner Stelle gewesen. Ich wünschte, es hätte lieber mich getroffen… Denn mein Kind so leiden zu sehen, ist kaum auszuhalten."

Omar (c) E. Fourt / Handicap International

Bei seiner Ankunft im Krankenhaus wird Omar sofort operiert. Sein Fall ist ernst: Seine beiden Beine sind gebrochen und man muss ihm mehrere Finger und Zehen amputieren. Einige Tage nach dem chirurgischen Eingriff besucht ihn Hersh. Der Physiotherapeut von Handicap International stellt ihm einen Toilettenstuhl zur Verfügung, denn der Junge kann noch nicht laufen. 

"Wenn er sich von den Frakturen erholt hat, werden wir ihm auch Krücken geben, damit er sich fortbewegen kann", erklärt Hersh. In der Zwischenzeit macht er mit ihm Übungen zur Rehabilitation, damit seine Muskeln nicht erschlaffen und er sich leichter bewegen kann. Er fährt fort:  "Wenn man solchen Fällen begegnet wie Omar, dann versteht man, wie wichtig unsere Massnahmen zur Aufklärung über die Gefahren von explosiven Kriegsresten sind. Wir behandeln nicht nur einfach Menschen, die verletzt wurden. Sondern auch die Vorsorge ist lebenswichtig: Jeder Betroffene sollte in der Lage sein, gefährliche Sprengkörper zu erkennen und sich vor ihnen zu schützen. Das ist eine Frage des Überlebens."

16 Februar 2017

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