Syrien
In Syrien unterstützt Handicap International (HI) Menschen, die von dem seit fast 14 Jahren andauernden Konflikt betroffen sind.
Eine junge Syrerin mit ihrem Kind | © Layla Aerts / Handicap International
Laufende Aktivitäten
Handicap International versorgt Menschen mit Rehabilitationsmassnahmen, die während des Konflikts verletzt wurden, sowie für Menschen mit Behinderungen. Diese Massnahmen werden in mehreren Regionen Syriens durchgeführt, darunter Aleppo, Homs, das Umland von Damaskus, Rakka und Deir ez-Zor. Handicap International arbeitet mit einem Dutzend lokaler medizinischer Einrichtungen zusammen, um diese Massnahmen sowie die Versorgung mit Prothesen und Orthesen sicherzustellen.
Die Teams von Handicap International führen zudem Räumungsmassnahmen durch, um vor allem Schulen, Krankenhäuser und die zivile Infrastruktur in Rakka, Deir ez-Zor, Hama und Idlib von Sprengstoffresten zu befreien. Die Teams führen Untersuchungen durch, um den Umfang und die Auswirkungen der Kontamination zu erfassen.
Handicap International führt ausserdem Risikoschulungen über explosiver Kriegsreste durch, um den Gemeinden zu helfen, gefährliche Gegenstände zu erkennen und zu meiden. Diese Schulungen richten sich an die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen: Binnenvertriebene, die in kontaminierten Gebieten leben; Flüchtlinge und zurückkehrende Familien; Landwirte und Hirten; Männer im erwerbsfähigen Alter; humanitäre Helfer*innen und Sozialarbeiter*innen; Kinder sowie Menschen mit Behinderungen.
Handicap International unterstützt gefährdete Bevölkerungsgruppen weiterhin durch Rehabilitationsmassnahmen, inklusive Bildung, Katastrophenvorsorge und humanitäre Minenräumaktivitäten im ganzen Land. Im Nordosten Syriens arbeiten die Teams eng mit lokalen Gemeinden und Partnern zusammen, um die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden gegenüber Naturkatastrophen zu stärken. Durch gemeindebasierte Risikomanagementmassnahmen werden die Bewohner darin geschult, Risiken zu erkennen und sich auf mögliche Naturkatastrophen und Notfälle vorzubereiten.
Handicap International unterstützt Programme zur inklusiven Bildung in den Provinzen Rakka und Deir-ez-Zor. Diese Programme zielen darauf ab, sicherzustellen, dass Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit ihren Altersgenossen am Unterricht teilnehmen können. HI arbeitet mit Schulen, Lehrkräften und Familien zusammen, um Schulen anzupassen, inklusive Unterrichtsmethoden zu fördern und Barrieren zu beseitigen, die Kinder mit Behinderungen am Schulbesuch hindern.
• Anzahl der HI-Mitarbeiter: 243
• Anzahl der von HI im Jahr 2025 unterstützten Begünstigten: 189.263 Menschen
• Start des Programms: 2012
Einsatzbebreiche
Neuigkeiten aus den Projekten
Schule dank Minenräumung wiedereröffnet
Yasser al-Sanad, der Leiter der Al-Najah-Schule, berichtet von den Auswirkungen der Minenräumung durch Handicap International. Die Schule stand seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 leer. Jetzt konnte sie gesichert werden und nimmt wieder ihre wichtige Rolle im Herzen der Stadt ein.
Ziel erreicht! «The Family of 5» sammelt CHF 10’000 für Handicap International
Seit Mai 2025 sind «The Family of 5» Botschafter:innen von Handicap International Schweiz. Ihr Engagement zeigt sich in Aufklärungsvideos, Publikationen und einer Spendenaktion für Syrien beim Halbmarathon in Lausanne im Oktober 2025. Dabei haben sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 21 Kilometer rennen und CHF 10’000 sammeln. Und sie haben es erreicht!
Syrien, sieben Monate nach dem Sturz Assads: Zurückkehrende Familien treffen auf eine dramatische Realität
Sieben Monate nach dem Sturz von Baschar al-Assad kehren Tausende Syrer:innen in ihr Land zurück. Doch diese hoffnungsvolle Rückkehr stösst auf eine dramatische Realität: ein von 13 Kriegsjahren verwüstetes Land, das mit Minen und Blindgängern verseucht ist und in dem Armut, fehlende Gesundheitsversorgung und Unsicherheit allgegenwärtig sind. Nach ihrem dreiwöchigen Einsatz in Syrien reiste Noor Bimbashi, Advocacy- und Politikberaterin bei Handicap International, nach Genf. Dort legte sie Zeugnis ab und traf sich mit Entscheidungsträger:innen, um über die humanitären Bedürfnisse und die Finanzierungslücke zu sprechen.
Sie mit
Hintergrund
Der Syrienkonflikt (2011–2024) hat eine der grössten humanitären Krisen weltweit ausgelöst. Fast 500.000 Menschen wurden getötet, und mehr als die Hälfte der Vorkriegsbevölkerung des Landes wurde vertrieben. Heute benötigen rund 15,6 Millionen Menschen in Syrien humanitäre Hilfe, während über 5,5 Millionen weiterhin Binnenvertriebene sind. Darüber hinaus leben mehr als 4,4 Millionen Syrer nach wie vor als Flüchtlinge in Nachbarländern, vor allem in der Türkei, im Libanon und in Jordanien.
Im Dezember 2024 hat sich die politische Lage nach dem Regierungswechsel erheblich verändert, was Hoffnungen auf mehr Stabilität weckte und die Rückkehr von Hunderttausenden vertriebener Syrer ermöglichte. Die Situation bleibt jedoch weiterhin instabil, geprägt von anhaltender lokaler Gewalt, grossen wirtschaftlichen Herausforderungen und weitreichenden Zerstörungen der Infrastruktur Viele Rückkehrender finden zerstörte Häuser, eingeschränkte öffentliche Dienstleistungen und die Bedrohung durch Landminen sowie explosive Kriegsreste vor. Der humanitäre Bedarf ist nach wie vor enorm. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und medizinischer Versorgung – insbesondere für Menschen mit Verletzungen, Behinderungen oder chronischen Erkrankungen – ist weiterhin äusserst eingeschränkt. Anhaltende Unsicherheit, beschädigte Infrastruktur, wirtschaftliche Not und Einschränkungen des humanitären Zugangs behindern weiterhin die Hilfe für Millionen von Zivilist*innen im ganzen Land.
