Syrien, sieben Monate nach dem Sturz Assads: Zurückkehrende Familien treffen auf eine dramatische Realität

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Syrien

Sieben Monate nach dem Sturz von Baschar al-Assad kehren Tausende Syrer:innen in ihr Land zurück. Doch diese hoffnungsvolle Rückkehr stösst auf eine dramatische Realität: ein von 13 Kriegsjahren verwüstetes Land, das mit Minen und Blindgängern verseucht ist und in dem Armut, fehlende Gesundheitsversorgung und Unsicherheit allgegenwärtig sind. Nach ihrem dreiwöchigen Einsatz in Syrien reiste Noor Bimbashi, Advocacy- und Politikberaterin bei Handicap International, nach Genf. Dort legte sie Zeugnis ab und traf sich mit Entscheidungsträger:innen, um über die humanitären Bedürfnisse und die Finanzierungslücke zu sprechen. 

Mann in Sprengstoffräumanzug scannt einen Bereich vor einer Schule

Minenräumung vor einer Schule in der Stadt Deir-ez-Zor | © HI

«Die Familien kehren in ihre Dörfer zurück und finden zerstörte und verminte Häuser vor. Heute leben mehr als 15 Millionen Menschen unter der ständigen Bedrohung durch Minen und andere nicht explodierte Kampfmittel. Trotz alledem zeigen die Syrer:innen eine unglaubliche Widerstandsfähigkeit und den Willen zum Wiederaufbau», erklärt Noor Bimbashi. 

Was sie berichtet: 

Eine weiterhin akute humanitäre Krise 

  • Nach wie vor sind mehr als 16,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter mindestens 2,8 Millionen Menschen mit Behinderungen. 

  • Mehr als 7000 Schulen wurden zerstört oder beschädigt, sodass 10,2 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren nicht zur Schule gehen können. 

  • Die Bevölkerung lebt in extremer, weitverbreiteter Armut (90 % der syrischen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze). Ihr Leben ist geprägt von Unsicherheit, ständiger Vertreibung sowie Mangel an Wasser, Strom, Geld und medizinischer Versorgung (65 % der syrischen Bevölkerung benötigen medizinische Hilfe). Hinzu kommt dieses Jahr die schlimmste Dürre seit 36 Jahren. 

  • Zwischen Dezember 2024 und September 2025 ereigneten sich in Syrien 725 Unfälle durch Minen und andere Sprengkörper, bei denen mehr als 1380 Menschen ums Leben kamen, darunter ein Drittel Kinder. 

  • Mehr als 15 Millionen Menschen leben unter ständiger Bedrohung durch Minen und andere Sprengkörper. Gemäss Handicap International sind mehr als 80 Prozent der lokalen Gemeinschaften von dieser Gefahr betroffen. Das behindert die Hilfe und den Wiederaufbau. 

Die Arbeit von Handicap International in Syrien 

Handicap International ist seit 2012 mit 231 Mitarbeitenden im Land tätig und arbeitet in mehreren Bereichen: 

  • Minenräumung in den am stärksten kontaminierten städtischen und landwirtschaftlichen Gebieten. Bis 2024 wurden über 500’000 m² Land entmint, wodurch Hunderte Familien wieder einen sichereren Zugang zu ihren Häusern, Feldern und Schulen erhielten. 

  • Rehabilitation (Prothesen, Rollstühle, Physiotherapie) und psychologische Unterstützung für die Betroffenen. 

  • Sensibilisierung der lokalen Gemeinschaften für die Gefahren von Explosivwaffen. 

  • Schulung des medizinischen Personals, um einen dauerhaften Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewährleisten. 

Aufruf zur internationalen Solidarität 

Obwohl ein riesiger Bedarf besteht, wurden nur 36,6 % der für Syrien benötigten humanitären Mittel in Höhe von 4,1 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Noor Bimbashi und Handicap International rufen die internationale Gemeinschaft deshalb dazu auf, ihre Unterstützung zu verstärken, um eine sichere Rückkehr, die Wiederbelebung der lokalen Wirtschaft und einen nachhaltigen Wiederaufbau des Landes zu ermöglichen.

24 September 2025
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