„Wir sind von der humanitären Hilfe im Camp abhängig“

Rehabilitation
Bangladesch

In einer Ecke des Rehabilitationszentrums von Handicap International im Flüchtlingslager Ukhiya (Bangladesch) hüpft der 6-jährige Hamas auf einem grossen rosa Ballon herum. Obwohl ein kurzes Lächeln über sein Gesicht huscht, spielt er nicht weiter. Heute steht er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Redwanul, sein Physiotherapeut von Handicap International, wird gleich mit der Reha-Behandlung beginnen. 

Vier von Saidunamins sechs Kindern haben eine Behinderung.

Vier von Saidunamins sechs Kindern haben eine Behinderung. | © Abir Abdullah / HI

Hamas leidet an einer zerebralen Kinderlähmung, seit er ein Jahr alt ist. Da es in seinem Heimatland Myanmar keine medizinische Nachsorge nach der Geburt gab, kam die Diagnose zu spät.
Auf den Dächern des Rehabilitationszentrums von HI wurden gerade Solarmodule installiert, doch heute fehlt es an Licht. Im spärlich beleuchteten Raum kümmert sich Redwanul um Hamas, während Saidunamin, der Vater des kleinen Jungen, die Übungen aufmerksam verfolgt. Wenn sie wieder Zuhause in ihrer provisorischen Notunterkunft sind, wird er die Übungen mit seinem Sohn selbst machen müssen.


Mangelnde Versorgung im Heimatland

Die Probleme von Hamas begannen im Alter von nur einem Jahr. Saidunamin war damals durcheinander:

„Die Krankenhäuser wussten nicht, was sie tun sollten und boten keine Behandlung an. So haben sich die Probleme verschlimmert. Ein Jahr später konnte Hamas sich schon nicht mehr normal bewegen.“


Heute ziehen sich die Muskeln von Hamas immer mehr zusammen, was zu einer allgemeinen Lähmung führt, insbesondere in den Beinen und Armen. Um dieser Steifheit entgegenzuwirken und Hamas Wohlbefinden zu verbessern, sind die Übungen unerlässlich.


Schwieriger Alltag

Vier von Saidunamins sechs Kindern haben eine Behinderung. In einem Flüchtlingslager wie Ukhiya, wo die Strassen unbefestigt sind und es fast keine barrierefreien Einrichtungen gibt, ist dies eine erhebliche Belastung für die Familie.

„Meine Frau hat auch eine Behinderung, und ich muss mich allein um Hamas kümmern. Ich muss ihn überall hintragen.“ 

erklärt der Vater.

Aus diesem Grund ist das Reha-Zentrum von HI ein wichtiger Zufluchtsort für hilfsbedürftige Flüchtlinge. Hier erhalten sie die notwendige Hilfe, um ihre Beeinträchtigungen zu überwinden oder betroffene Familienangehörige zu unterstützen. Zusätzlich zu den Rehabilitationsmassnahmen schenkte HI dem kleinen Hamas eine Bodenmatratze und einen speziellen Stuhl, der ihm die Übungen erleichtert.


Kontinuierliche Unterstützung

Saidunamin beginnt ein Gespräch mit dem Physiotherapeuten Redwanul. Er erzählt ihm, wie schwierig seine Lage ist. Der Vater kämpft darum, seine Familie gut zu ernähren.

„Wir sind von der humanitären Hilfe im Camp abhängig.“

fügt er mit Tränen in den Augen hinzu.

Redwanul hört aufmerksam zu und versucht, den Vater zu trösten.Der Physiotherapeut erklärt, dass die häusliche Pflege der Bedürftigen über die Betreuung und angebotenen Leistungen von HI hinausgeht. In einigen Sonderfällen kann HI die Menschen an Partnerorganisationen verweisen. Beruhigt durch diese Worte trocknet Saidunamin seine Tränen, steht auf, hebt seinen Sohn auf die Arme und geht zur Tür. In Kürze wird er von einem technischen Berater von HI besucht werden, der die genauen Bedürfnisse der Familie ermitteln wird. Redwanul versichert ihm zum Abschied:

„Wir sind da, um dir zu helfen.“

7 Juni 2019
Einsatzländer

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