Stark, aber unsichtbar gemacht: Handeln für die Rechte von Frauen und Mädchen mit Behinderungen

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Benin International Uganda

Jährlich am 25. November wird der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Gleichzeitig startet die weltweite Kampagne 16 Tage gegen Gewalt an Frauen. Handicap International Schweiz beteiligt sich an der Schweizer Kampagne, um auf eine Realität aufmerksam zu machen, die allzu oft ignoriert wird: Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen.

Khadidiatou Ba ist Vorsitzende des Frauenkomitees der Föderation der senegalesischen Behindertenverbände. Sie engagiert sich im Projekt «Making it Work» von Handicap International, das sich gegen Gewalt an Frauen einsetzt.

Khadidiatou Ba ist Vorsitzende des Frauenkomitees der Föderation der senegalesischen Behindertenverbände. Sie engagiert sich im Projekt «Making it Work» von Handicap International, das sich gegen Gewalt an Frauen einsetzt. | © Fran6concept / HI

Alarmierender Befund

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wie aus einem kürzlich erschienenen Bericht von Handicap International über Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Afrika hervorgeht, sehen sich diese in allen Lebensbereichen weiterhin grossen Hindernissen gegenüber. Obwohl sie bis zu 75 % der Menschen mit Behinderungen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen ausmachen, sind sie unverhältnismässig stark von Armut betroffen, erleben mehr Gewalt und sind von Bildung, Beschäftigung und Entscheidungsprozessen weitgehend ausgeschlossen. Ein Beispiel: Nur 20 % der Frauen mit Behinderungen sind erwerbstätig – im Vergleich zu 30 % der Frauen ohne Behinderungen und 53 % der Männer mit Behinderungen.

Die Schlüsselzahlen offenbaren das Ausmass des Problems:

  • 83 % der Frauen mit Behinderungen sind im Laufe ihres Lebens von sexueller Gewalt betroffen.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit Behinderungen häusliche Gewalt und andere Formen sexueller Gewalt erleben, ist mindestens doppelt so hoch wie bei Frauen ohne Behinderungen.

Diese gut dokumentierten Ungleichheiten bestehen trotz starker internationaler Rahmenwerke wie der UNO-Behindertenrechtskonvention (BRK), dem Maputo-Protokoll über die Rechte der Frauen in Afrika oder dem Behindertenrechtsprotokoll der Afrikanischen Union.

Warum bestehen diese Diskriminierungen weiterhin?

Die Wurzel des Problems liegt in einer Kombination verschiedener Diskriminierungsformen: Ableismus, Sexismus, Armut und soziale Ausgrenzung. Allzu oft werden die Erfahrungen und besonderen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Gesetzen, politischen Massnahmen und Entwicklungsprogrammen nicht berücksichtigt.

So zeigt eine Analyse von Handicap International aus dem Jahr 2024 im Rahmen des Projekts «Making it Work», dass 68 % der afrikanischen Strategien gegen geschlechtsspezifische Gewalt Frauen mit Behinderungen ignorieren und nur 6 % gezielte Massnahmen beinhalten.

Insgesamt sind Frauen mit Behinderungen in Entscheidungsräumen kaum vertreten. Dadurch bleiben ihre Bedürfnisse und Prioritäten unsichtbar.

Making it Work: Handicap International treibt Veränderung voran

Seit über 30 Jahren ist Handicap International in verschiedenen Ländern aktiv, um Frauen mit Behinderungen über die Risiken von Gewalt aufzuklären und sie dabei zu unterstützen, ihre Rechte besser kennenzulernen. Wir unterstützen lokale Organisationen, die sich für die medizinische, psychologische und rechtliche Betreuung von Überlebenden von Gewalt mit Behinderungen einsetzen. Ausserdem arbeiten wir mit Regierungen zusammen, um Massnahmen zum Schutz der Rechte von Frauen zu stärken. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung der Ratifizierung internationaler und regionaler Übereinkommen.

Seit mehreren Jahren setzt sich Handicap International mit dem Projekt Making it Work für die Stärkung der Führungsrolle von Frauen mit Behinderungen in Afrika ein. Dieses feministische, anti-ableistische und intersaktionale Projekt unterstützt mehr als 23 Partnerorganisationen – darunter zahlreiche Organisationen von Frauen mit Behinderungen – in zehn Ländern auf dem afrikanischen Kontinent.

Gezielte Begleitung

«Making it Work» ist auf mehreren Ebenen aktiv:

  • Feministisches und anti-ableistisches Leadership: Unterstützung von weiblichen Führungspersönlichkeiten mit Behinderungen, um feministische Räume inklusiver zu gestalten.
  • Schulungen: Seit 2022 wurden mehr als 270 Aktivist:innen und Fachkräfte in den Bereichen Intersektionalität, geschlechtsspezifische Gewalt, Rechte von Frauen mit Behinderungen und Barrierefreiheit geschult.
  • Fachliche und finanzielle Unterstützung: Gemeinsame Strategieentwicklung, organisatorische Stärkung und Austausch von internationalen Instrumenten.
  • Faktenbasierte Advocacy-Arbeit: Teilnahme an internationalen Veranstaltungen (z. B. Commission on the Status of Women, World Summit on Disability, Women Deliver Conference), um den Betroffenen eine Stimme zu geben.

Projekte, die wirken

  • In Uganda schult LIDDWA seit mehreren Jahren Fachpersonen aus den Bereichen Gesundheit, Justiz und Polizei, damit diese Frauen mit Behinderungen besser betreuen können. Das Ergebnis: besserer Zugang zu Diensten, präzisere Datenerhebung und weniger ableistische Verhaltensweisen.
  • In Benin bringt der «Club des Filles» Mädchen und Frauen im Alter von 10 bis 20 Jahren mit einer Sehbehinderung zusammen. Der Club wurde von der Organisation blinder Frauen Benins gegründet und von Handicap International im Rahmen des Projekts «Making it Work» unterstützt. Er bietet einen geschützten Raum für Austausch, Lernen und Weiterbildung. Jeden Monat nehmen die Teilnehmerinnen an Aktivitäten zu Frauenrechten, Menstruation und geschlechtsspezifischer Gewalt sowie an Workshops zu Führungskompetenzen und Kommunikationsfähigkeiten teil. Der Club stärkt ihr Selbstvertrauen und fördert die Entwicklung künftiger Führungspersönlichkeiten mit Behinderungen.

Projekt-Video anschauen:

 

Dieser Artikel wurde im Rahmen der 16 Tage 2025 verfasst. 

Handicap International Schweiz wird ebenfalls am Online-Forum teilnehmen: «Körper im Widerstand: Geschlecht, Behinderungen, Gewalt kritisch analysieren», 10. Dezember, 9.30 bis 12.30 Uhr

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