Ukraine: «Zivilbevölkerung wird noch Jahrzehnte unter den Streubomben leiden»

Minen und andere Waffen
Ukraine

Die Biden-Regierung wird Streubomben an die Ukraine liefern. Wir sind zutiefst besorgt über diese Entscheidung. Streubomben töten, verstümmeln und verursachen psychische Traumata. 90 % der (getöteten oder verletzten) Opfer sind Zivilpersonen, die Hälfte davon Kinder.

Auf dem Boden liegende Streubomben

Streubomben | © Z. Johnson / HI

«Handicap International verurteilt die Entscheidung der Biden-Regierung, Streubomben an die Ukraine zu liefern. Streubomben gehören zu den gefährlichsten Waffen für die Zivilbevölkerung. Sie sind willkürlich und stellen ein grosses Risiko dar, da sie noch lange nach dem Ende des Konflikts Opfer fordern können. Seit 40 Jahren setzen wir uns für die Opfer und Überlebenden von Landminen und Streubomben ein. Für uns ist das Problem in erster Linie ein humanitäres: Abgesehen davon, dass die Streubomben Zivilist:innen töten, behindern sie den Zugang vieler humanitärer Akteure, was sich auf die notwendige Lieferung von Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung in der Ukraine auswirkt.» Daniel Suda-Lang, unser Geschäftsleiter.

Seit 2014 haben die russischen Streitkräfte in der Ukraine intensiv Streubomben eingesetzt und damit den Tod und die Verletzung von Hunderten Zivilist:innen verursacht und unermessliche Schäden an lebenswichtiger ziviler Infrastruktur angerichtet. Mindestens dreimal wurde auch der Einsatz dieser Waffen durch die ukrainischen Streitkräfte gemeldet.

Was sind Streubomben?

Streubomben bestehen aus einem Behälter, der mit mehreren Bomblets gefüllt ist. Wenn sie abgefeuert werden, öffnet sich der Behälter während des Fluges, sodass die Bomblets freigesetzt und über ein grosses Gebiet verteilt werden. Nicht alle Bomben sind so konstruiert, dass sie beim Aufprall explodieren. Einige sind mit einem Zeitzünder ausgestattet, der auf Stunden, Tage oder sogar Monate eingestellt werden kann. Dies stellt ein zusätzliches Risiko dar, denn wenn sie nach einer vorprogrammierten Zeit oder durch die Selbstzerstörungsfunktion explodieren, können Zivilpersonen durch die Fragmentierung verletzt oder getötet werden. Aufgrund ihrer grossflächigen Wirkung und der Tatsache, dass Blindgänger noch lange nach Beendigung eines Konflikts gefährlich sein können, sind Streubomben willkürliche Waffen. 

Lesen Sie weitere Informationen über Streubomben

Streubomben: durch das Oslo-Übereinkommen verbotene Waffen

Jeder einzelne Einsatz von Streubomben hat direkte und indirekte Folgen, und die Kontamination durch ihren Einsatz wird das Leben der ukrainischen Bevölkerung noch jahrzehntelang beeinträchtigen. Deswegen sind mittlerweile 123 Staaten dem Oslo-Übereinkommen beigetreten, das den Einsatz, die Herstellung, die Weitergabe und die Lagerung von Streumunition verbietet.

Lesen Sie die schockierende Bilanz der Beobachtungsstelle für Streumunition (2022)

11 Juli 2023

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
[email protected]

 

Bleiben Sie informiert !

Erhalten Sie aktuelle Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort und unsere Notfallaufrufe.

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Über 1000 Opfer, 87 Prozent davon Zivilist:innen: Streubomben-Monitor 2026
Déminage des munitions non explosées (UXO) dans un village cible du Laos. © HI
Minen und andere Waffen

Über 1000 Opfer, 87 Prozent davon Zivilist:innen: Streubomben-Monitor 2026

Der Streubomben-Monitor 2026 zeigt: Die Zahl der Opfer von Streumunition blieb 2025 mit 1063 Getöteten oder Verletzten weiterhin extrem hoch. 87 Prozent der Opfer waren Zivilist:innen. Streumunition wurde vom Iran, von Myanmar, Russland, Thailand und der Ukraine eingesetzt. Weitere mögliche Einsatzländer konnten nicht bestätigt werden. Der Austritt Litauens aus dem Übereinkommen im Jahr 2025 ist ein schwerer Schlag und schwächt dessen Wirksamkeit erheblich. Vom 14. bis 18. September werden die Staaten in Vientiane, Laos, zur dritten Überprüfungskonferenz des Übereinkommens zusammenkommen. Wir rufen sie dazu auf, dort ihr Engagement für das Übereinkommen zu bekräftigen.

Warum sind Landminen so gefährlich für die Zivilbevölkerung?
© HI
Minen und andere Waffen

Warum sind Landminen so gefährlich für die Zivilbevölkerung?

Minen töten und verstümmeln jahrzehntelang – auch wenn der Krieg längst vorbei ist. Rund 90 Prozent der Opfer kommen aus der Zivilbevölkerung. Dennoch sind Landminen wieder auf dem Vormarsch: massiver Einsatz in bewaffneten Konflikten, Rückzug von fünf Staaten aus dem Ottawa-Verbotsvertrag, neue Minenproduktion, mehr Minenopfer.

Gary Toombs, HI-Experte für Minenräumung erklärt, warum Minen so gefährlich sind und wie sich Staaten besser schützen können.

22’600 Zivilpersonen durch Explosivwaffen getötet
© T. Nicholson / HI
Minen und andere Waffen

22’600 Zivilpersonen durch Explosivwaffen getötet

Dem Explosivwaffen-Monitor zufolge wurden im Jahr 2025 22’600 Zivilpersonen durch Explosivwaffen getötet. Dies entspricht einem Rückgang von 21 % gegenüber dem Höchststand von 28’600 im Jahr 2024. Doch diese Verbesserung ist trügerisch: Sie erklärt sich durch die Waffenstillstände in Gaza und im Libanon, wo die Zivilbevölkerung jedoch nach wie vor unter Bombardierungen leidet. Überall sonst verschlechterte sich die Lage: Es gab mehr betroffene Länder, mehr Waffenarten und mehr zerstörte zivile Einrichtungen. Die Zivilbevölkerung in mindestens 65 Ländern und Gebieten litt unter dem Einsatz von Explosivwaffen.

Bleiben Sie informiert !

Erhalten Sie aktuelle Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort und unsere Notfallaufrufe.

 
 

Kontakt

Handicap International Schweiz
Avenue de la Paix 11, 1202 Genf
+41 (0)22 788 70 33
[email protected]

Uns kontaktieren

IBAN: CH66 0900 0000 1200 0522 4

 
 

Suchbegriff eingeben

 
 

Unser Netzwerk

 
 

Folgen Sie uns